// Gastkommentar von Kerstin Hohlfeld

 

Meine Aufgaben gehe ich in der Regel recht planvoll an.

Ungefähr so sieht das aus:

Bis Ende Juli möchte, bzw. muss ich ein 300-Seiten-Manuskript fertiggestellt haben. Das sind von jetzt an genau 15 Wochen, also 105 Tage. Mal angenommen, ich würde jeden Tag am Manuskript arbeiten, müsste ich pro Arbeitseinsatz 2,8 Seiten schreiben, um das Pensum zu schaffen.

Klingt locker. Ist echt gut machbar.

Na ja, vielleicht schreibe ich nicht jeden Tag, man muss ja auch mal das Wochenende genießen oder in den Ferien ein paar nette Tage mit den Kindern verbringen.

Kommt noch ein Kurztrip dazwischen, ein Besuch bei Verwandten, eine Familienfeier. Im Moment geht es mir nicht gut, schließlich grassiert gerade die Grippe. Ach ja, eine Freundin hat demnächst Geburtstag und lädt zum Frühstück ein.

Kinder wie die Zeit vergeht!

Und dann?

Auf einmal sind es nur noch 7 Wochen bis zur Abgabe, aber leider noch 200 Seiten, die zu schreiben sind.

Von jetzt an wird aber rangeklotzt, nicht nach rechts und links geguckt. Jawoll!

Am Ende, man kann es schon ahnen, schreibe ich 100 Seiten in 14 Tagen, sodass ich nach Abgabe des Manuskripts erst einmal eine Woche lang halb besinnungslos herumschleiche und mir schwöre, es beim nächsten Mal wirklich endlich besser zu machen.

Warum hab ich eigentlich so ein verdammt mieses Zeitmanagement?

Eine richtig zufriedenstellende Antwort auf diese Frage habe ich nicht.

Allerdings beobachte ich, dass die Leute in meiner Umgebung mit ihren Pflichten ganz ähnlich umgehen. Da wird gewartet, bis das Wasser an der Unterlippe steht und dann erst in einem Kraftakt die Aufgabe bewältig. Erstaunlicherweise meist mit überzeugendem Ergebnis.

Vielleicht brauchen wir einfach ein wenig Druck, um den Willen und die Konzentration aufzubringen, um uns richtig zu sammeln und voller Energie loszulegen.

Muss natürlich jeder selbst wissen, ob das die richtige Arbeitsweise ist. Es funktioniert zwar, aber es macht nicht unbedingt Spaß, wenn der Druck so anwächst.

Also, ich werde beim nächsten Roman (dem neunten) auf jeden Fall rechtzeitig anfangen! Kann allerdings sein, dass dann Sommerferien sind und mir erst einmal ein klitzekleiner Urlaub dazwischenkommt.

 

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