Anna Thur

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„Vier Musketiere“, ein bisschen Meeresnähe und viel Meinung

Der Barther Theatergarten ist wohl das, was man einen Geheimtipp nennt. Jeden Sommer gibt es einen Abenteuerklassiker, in diesem Jahr „Die vier Musketiere“. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, denn nach einem supercoolen „Robin Hood“ (2011) und den „Drei Musketieren“ (2014) versprach die Kombination Martin Schneider (Regie) und Ray Kupper (Kampfchoreografie) wieder Spaß. Und Spaß war auch wieder dabei: Auch!

Zuerst zum Spaß: Die Kulisse ist super und die Teile mit Action sind das, was die Bühne zu einem Geheimtipp macht. Ganz schwer begeistern die Waffen (angefangen bei wunderschönen Degen und coolen Rocker-Kanonen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und dadurch einen unglaublichen Charme entwickeln), die meisten Kämpfe ansich – es ist wie ein spannungsgewaltiger Tanz zwischen den Gegnern, ein Spiel voller Ernst und Eleganz, irre lebendig. Das ist das, was man von Ray Kupper gewöhnt ist und noch viel mehr, der wird immer besser und man freut sich schon darauf, was da noch kommt.

 

ABER: Dieser Bitch-Fight!

Mir fehlen immer noch die Worte. Er war großartig. My Lady (Martha Pohla) überzeugt die ganze Zeit (so fallen übrigens schauspielerisch auch Rochefort, D´Artagnan und Aramis auf). Aber erst in der Bitch-Fight-Szene zeigt sich das auf den Punkt. Der Fight ist großartig trainiert, sitzt und ist genau das, was modernes Theater ausmacht, in Games und Film auch immer mehr kommt: Tolle, feminine Figuren ohne sexistischen Rotz, stark, schön. Da denkt man an die neue Lara Croft, an Heldinnen.

Gut gekämpft und genial beendet: Constanze kann diesen Kampf mit My Lady nicht gewinnen, das passt nicht zu ihrer Rolle. D‘ Artagnan muss es beenden und Rochefort die Tote in einem Bild heraustragen, was doch optisch sehr stark an das erinnert, was RSA Films abliefert. Hammer. Und dramaturgisch hab ich da einen klitzekleinen Fangirl-Moment.

Die dunkle Seite

Vorab muss man sagen, dass in Barth auch mit Schauspielstudenten und Laien gespielt wird. Bisher habe ich das nie als Nachteil gesehen. Muss es ja auch nicht, wenn die Vorbereitung stimmt. Aber dieses Jahr wirkte Vieles unentschlossen und die Darsteller waren manchmal nicht ganz bei der Sache. Das muss nichts heißen, ich habe die Vorstellung zwei Mal gesehen und beide Male waren sehr unterschiedlich. Man kann also Glück haben und das Team hat einen guten Tag.

Irritierend ist auch das Buch. Es gibt schöne Stellen, ohne Frage. Martin Schneider weiß eigentlich schon was er tut. Aber auch hier bleibt das Gefühl zurück, dass man sich nicht richtig entscheiden konnte: Sind wir eine Tragödie oder eine Komödie. Und sorry, aber die Dialoge … Als gelernte Drehbuchautorin hab ich da sicher eine Macke, aber die DIALOGE!

Zwei Sachen haben mich aber so richtig geärgert und irritieren mich angesichts dessen, dass es ein Familientheater ist. Bei der zweiten Vorstellung die ich gesehen habe, schnappt sich einer der Musketiere die Bibel, reißt eine Seite raus und dreht sich eine Tüte. Geht gar nicht!

Das Zweite ist der Seximus. Unterhaltung darf sexy sein, wenn es nicht billig wird. Die zwei Geliebten von Musketier Porthos sind schon fast mehr als grenzwertig. Aber ganz furchtbar war das zweite Lied. Was da aus einem wunderschönen Tango gemacht wurde, ist geradezu ein Verbrechen. Ganz nebenbei schlagen die Kostüme, die dort getragen werden, völlig aus der Art und passen gar nicht zum Stück. Was ist da passiert? Vielleicht denke ich bei dem Lied aber auch zu sehr an das punky-heiße Video vom Gotan Project,  wer weiß.

 

Und nächstes Jahr?

Bei der Samstagsvorstellung gab es einen kurzen, heftigen Regenschauer. Das Stück wurde unterbrochen, die Zuschauer flüchteten unter ein Dach. D‘ Artagnan kam und bot auf sehr nette Weise an, im Theatersaal abzuwarten. Hinterher wurden die Bänke schnell trocken gewischt, mit dabei Bühnenleiter Martin Schneider. Und die Frau im Kassenhäuschen empfängt einen, als würde man zur Familie gehören. Das macht die Bühne aus. Da ist Herz. Deshalb werde ich wieder kommen und hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt. Hoffentlich dann wieder mit jede Menge Kupper, Johann Christof Laubisch als D´Artagnan und gerne auch wieder mit etwas Hip hop.

 

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Danke, dass ich da sein und auch das Training fotografieren durfte!

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Thema von Anders Norén.