Anna Thur

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Schlagwort: NaNoWriMo

Heute gibt es Speed Writing statt [Speed Dating #8]

Noch vier Tage bleiben bis zum Ende des NaNoWriMo (hier ein Post dazu vom letzten Jahr) und ich habe noch ein paar Wörter zu schaffen. Deshalb wird dieses Wochenende nichts gelesen, sondern nur geschrieben und das [Speed Dating] findet erst nächste Woche wieder statt.

Trotzdem freue ich mich sehr, wenn Ihr oder du Lust habt, dabei zu sein und dazu postet. Hinterlasse mir einfach Deinen Link, ich schaue gerne bei Dir vorbei. Und hier steht, wie das [Speed Dating] funktioniert.

[Werkstatt] „Willst Du mit mir …“ Die Geschichte

„Willst Du mit mir schreiben?“ – Mit der Frage fing es an und wir, Ina Steg und ich, haben uns in das Abenteuer gestürzt. In 11 Schritten, zwischen denen manchmal Stunden, Tage oder Wochen lagen, haben wir zusammen eine Geschichte geschrieben. Hier ist sie – uncut, unverfälscht:

Der Regen durchweichte ihre neuen Schuhe. Natürlich tat er das. Wer kaufte sich schon High Heels im Herbst? Renate schüttelte über ihr heutiges Verhalten den Kopf.

Sie betrachtete ihre frisch getönten Haare im Schaufenster und die Tüten, voll mit Klamotten, die ihre Arme schmerzen ließen. Sie hätte sich nicht auf die Wette mit Michael einlassen sollen. Es hatte ja ganz amüsant geklungen, jeden Tag etwas völlig neues auszuprobieren, aber jetzt gerade fühlte sie sich unwohl. Nein, nein, so ein Unsinn, dachte sie. Sie schaute sich um, dann eilte sie auf die Bahnhofsmission zu.

„Entschuldigen sie, kann ich hier irgendwo eine Kleiderspende abgeben?“

Als sie das Gebäude wieder verließ, summte ihr Handy. Michael, natürlich. Ihr Sohn war zehn Mal neugieriger als ihre Tochter. Sie hörte ihn am andere Ende der Leitung sagen: „Hallo Mama. Und wie ist es gelaufen?“

 

Fortsetzung Nr. 1 (Anna):

„Wie soll es schon gehen, wenn man eine Wette verliert“, seufzte Renate. „Und das bei dem Wetter.“ Ihre Stimme klang nörgelig und trotzdem war herauszuhören, dass sie, egal was sie versprochen hatte, es immer halten würde. Selbst wenn es darum ging eine bescheuerte, verlorene Wette einzulösen.

Das hörte selbst der Mann heraus, der sie interessiert beobachtet hatte, wie sie im strömenden Regen auf die Bahnhofsmission zu stolziert und ohne Tüten wieder herausgekommen war. Alleine das war schon ungewöhnlich. Denn es gab nicht viele Frauen mit ihrem Aussehen, die sich hierher trauten.

Aber was er sich wirklich die ganze Zeit fragte war: „Warum hatte sie High Heels dabei an?“ Er beschloss, ihr zu folgen. Unauffällig, so lange es ging. Für den Fall, dass  sie ihn doch bemerken würde, holte er vorsorglich seinen Presseausweis heraus und versuchte ihn sich an der Brusttasche seiner Jacke anzuheften, während er ihr nachging.

Es war gar nicht so einfach, das richtige Tempo zu halten, ihr nicht zu nah zu kommen und sie trotzdem nicht zu verlieren, während ihn die kleine biestige Nadel des Ausweises stach. Er fluchte darüber, während sich schon in seinem Kopf die Schlagzeile zu der schönen Unbekannten formte:

 

Fortsetzung Nr. 2 (Ina): 

„Wette gegen Mid-Life-Crisis“

Er grinste über seine geniale Idee und stolperte dabei fast über einen Hund, der an einem seiner Beine entlang streifte. Seine Besitzerin zog den Hund weg. „Passen sie doch auf!“

„Entschuldigung“, flüsterte er. Hastig sah er zu der Frau, doch sie hatte ihn nicht bemerkt. Konzentriert tat sie einen Schritt vor den anderen und sprach laut, gegen das Trommeln der Regentropfen um sie herum, an.

„Doch, ich hab es ja versucht. Aber es war eine bescheuerte Idee, das bin nun mal nicht ich. Ach, Herrgott noch mal …“, sie taumelte, „… warte bitte kurz …“. Sie blieb stehen, lehnte sich an eine Häuserwand, klemmte das Handy zwischen Schulter und Ohr, zog die Schuhe aus und schleuderte sie über den Bürgersteig.

Der Mann duckte sich, doch zu spät. „Aua, scheiße, verdammt!“

 

Fortsetzung Nr. 3 (Anna): 

Er hatte versucht auszuweichen, aber das hatte es noch schlimmer gemacht. Er hatte sein Gleichgewicht verloren und trotzdem hatte er das Wurfgeschoss abbekommen. Der Schuh hatte ihn so ungünstig getroffen, dass der Absatz auf seiner Stirn einen tiefen Kratzer hinterlassen hatte. Er fing an zu bluten.

Renate sah den Fremden mit einer Mischung aus Entsetzen und Angst an. Er wirkte so schlampig, zerknittert. Aber sie war schuld daran, dass er blutete. Aus sicherem Abstand fragte sie ihn, ob alles okay wäre. Und als sie hörte, wie er vor sich hin schimpfte, dass er mal wieder auf der Jagd wegen einer blöden Wette in eine so dämliche Situationen gekommen war, schaute sie irritiert. „Wette, wieso Wette?“ Ihre Alarmglocken schrillten. Was wusste er über sie?

„Ja, sie und ihre blöde Wette und jetzt ist meine Jacke versaut, voller Blut, wie soll ich denn da nachher zu dem Termin gehen?“ Renate packte die Panik: „Sind sie mir etwa gefolgt?“

„Ja … nein … ich“, das Wasser lief über seine Wangen, seine Hände, er strich sich über die Stirn – nun hatte sich das Wasser rötlich gefärbt. Ihm wurde schwindelig. Er konnte doch kein Blut …

 

Fortsetzung Nr. 4 (Ina): 

Er blinzelte. Grelles Licht. Er sah nach vorne. Strahlendes Weiß. Er sah nach links. Nackte Füße. Nackte Füße? Er setzte sich auf. „Autsch!“ Sein Kopf pochte. „Werden Sie jetzt wieder ohnmächtig?“ Die Frau lehnte in einem Stuhl, ihre nackten Füße hatte sie auf den gegenüberstehenden gelegt. Hitze stieg ihm ins Gesicht. Er war ohnmächtig geworden. Vor ihr. Nein, wegen ihr!

„Sie haben aber auch einen harten Wurf.“ Die Frau setzte sich gerade hin. „Ich spiele seit 35 Jahren Baseball.“ Er grinste.

„Was gibt es zu lachen?“

„Sie in einem Baseballdress … eine interessante Vorstellung“ … und irgendwie sexy, ergänzte er in Gedanken. Schnell sah er auf den Boden. „Warum sind sie überhaupt barfuß?“ Sie erhob sich. „Weil ich wegen ihnen in Panik ausgebrochen bin, den scheiß Krankenwagen gerufen habe, sie hier her begleitet habe um ihr Händchen zu halten und meine ganzen Sachen deswegen noch in irgendeinem gottverlassenen Hauseingang stehen, an einen Hauseingang, an den ich mich noch nicht mal mehr erinnern kann.“ Sie wandte sich zur Tür.

 

Fortsetzung Nr. 5 (Anna): 

„Warten sie!“ Er versuchte sich aufzusetzen und zuckte vor Schmerzen sofort zurück. Sein Kopf fiel schwer in das Kissen. Sie sprang zu ihm: „Sie dürfen sich nicht bewegen, hat doch der Arzt gesagt.“ Ihre Stimme klang leicht entnervt.

„Leider war ich geistig nicht anwesend und habe das nicht mitbekommen.“ Er versuchte seine Stimme so nüchtern wie möglich klingen zu lassen. Doch der Witz war bei ihr angekommen und sie lächelte, jetzt ein wenig versöhnlich.

„Schon besser“, kommentierte er es.

„Was habe ich noch verpasst?“ Vorsichtig sah er sich im Zimmer um und drehte sich zur Seite. Sein Blick fiel auf seine Uhr, die auf dem Nachttisch lag. Er stöhnte. „Meine Kinder …“

„Was ist mit ihnen?“

„Ich muss sie abholen.“ Er versuchte aufzustehen. Aber sie drückte ihn zurück in die Kissen. „Das geht jetzt nicht. Sie sind beim Hinfallen hart aufgeschlagen und dürfen jetzt wirklich nicht …“

„Aber meine Kinder …“ Er versuchte weiter unter Stöhnen aufzustehen, während Renate ihn nach unten drückte. Er verzweifelte „Lassen sie mich, als Alleinerziehender muss man immer. Egal wann oder wie.“

„Kontrollfreak oder was? Sie müssen doch sicher nicht alles alleine machen. Rufen sie ihre Eltern an, lassen sie jemanden anderen die Kinder holen, sie sind jetzt dran mit ausruhen.“

Aber er schüttelte nur den Kopf. Plötzlich wurde ihm wieder sehr schwindelig. Seine Haut wurde blasser, als sie vorher schon gewesen war. Renate hätte nicht für möglich gehalten, dass das ging und staunte, wie kalkweiß er vor ihr lag. „Da ist niemand. Ich muss.“ Eine Träne ran aus seinem Augenwinkel.

„Okay, ich wollte heute eh nicht mehr nach Hause. Ich kann mich um die Kinder kümmern, wenn sie mir das zutrauen.“ Er sah sie schief an. „Eigentlich sind sie viel zu gefährlich für eine Babysitterin.“ „Ehrlich, ich bin selbst Mutter und weiß, was ich tue.“ Sie sah an sich hinunter, „meistens jedenfalls.“

„6, 8, 11, Lilly, Annabell, Finn, Kita Rübenkamp 123, dann Grundschule Genßlerstraße 33, Finn lotst sie von da weiter.“ Er warf sich nach oben und kotzte geräuschvoll in die Spukschüssel auf dem Nachttisch. Mit einem Stöhnen fiel er zurück in die Kissen und wiederholte wie ein Roboter: „6, 8, 11, Lilly, Annabell, Finn, Kita Rübenkamp 123, dann Grundschule Genßlerstraße 33, Finn lotst sie von da weiter.“

Da verstand Renate: das war die Instruktion für sie und mit dieser würde sie zu seinen drei Kindern finden. „Lilly wartet schon.“ Schnell holte sie einen Stift und Zettel, notierte die Abholerlaubnis, ließ ihn unterschreiben und sprintete los zum Taxi. Schweißüberströmt kam sie an der Kita an und befürchtete, dass sie ihr Lilly wegen ihres Aussehens nicht mitgeben würden. Immerhin war sie immer noch barfuß. Aber die Erzieherin hatte ganz andere Sorgen: „Also es mag ja so sein, dass der Michael ihnen das geschrieben hat. Trotzdem mache ich da nicht mit. Was soll das Kind denn lernen: dass da nur irgendjemand Fremdes kommen braucht und behaupten muss, dass der Papa krank ist? Nee, die Kleine bleibt hier.“ Kein Widerspruch half. Erst als die Polizei kam, ließ sich die Erzieherin überzeugen.

 

Fortsetzung Nr. 6 (Ina):

„Wer bist du?“, „Warum bist du barfuß?“, „Wo ist der Papa?“ – Finn fragte ganz viel, die anderen beiden waren still. Sie ging in die Hocke. „Euer Papa hatte einen Unfall, aber macht euch keine Sorgen, es wird ihm bald besser gehen … wir rufen ihn gleich an, dann wird er euch alles erklären. Ich bin heute euer Kindermädchen. Ihr kennt doch bestimmt den Film Mary Poppins?“ Die drei nickten. Annabell sagte: „Aber Nanny McPhee ist cooler.“ Renate lachte, auch wenn es in ihrem inneren rumorte. Sie konnte die drei doch nicht nach Hause bringen und dort allein lassen … „Was haltet ihr davon, wenn wir zu mir nach Hause fahren?“ Die drei sahen sie mit großen Augen an. „Und was ist mit Jack und Will?“ Renate spürte, wie sich ein Schweißfilm auf ihrem Rücken bildete. „Wer sind denn die beiden?“ „Jack ist unser Papagei und Will unser Kater.“ Drei fremde Kinder, zwei fremde Tiere, sie war immer noch barfuß und wenn sie nicht bald etwas zu essen bekam, dann würde sie umfallen. „Jetzt steigen wir erst mal in ein Taxi und fahren zu euch, dann sehen wir weiter.“

Im Taxi waren die Kinder still. Renate schickte eine WhatsApp an ihren Sohn: „Ich brauche dringend deine Hilfe. Hast du Zeit? – Alte Straße 48. Bring viel Pizza mit und ein Paar Turnschuhe von dir.“ Sie gelangten in ein Viertel, nahe des Hafens. Die Bäume waren hier knochig und wirkten vom Wind zerzaust, ihre Äste standen kreuz und quer in alle Richtungen. Vor einem Haus mit gelber Fassade und himbeerroten Fenstern blieb das Taxi stehen. Finn zog den Schlüsselbund von seinem Hals und rannte auf die Haustür zu. Renate zahlte. Sie konnte gerade noch die Antwort ihres Sohnes lesen. „Hat es was mit einer Wette zu tun? Ich bin eh in der Nähe und gleich  da.“ Renate folgte den Kindern zum Eingang. Als er die Tür aufschloss und sie eintraten, blieb ihr der Mund offen stehen.

 

Fortsetzung Nr. 7 (Anna): 

Ein großer grüner Drache starrte sie an. Oder starrte er doch auf ihre Füße? Seine Augen zeigten in verschiedene Richtungen und sie konnte nicht ausmachen, was er hauptsächlich anglotzte. „Fridolin“, kreischte da Lilly los und rannte auf den Drachen zu. Sie blieb kurz vor ihm stehen, holte Schwung und sprang – direkt in den Drachen hinein. Renate wurde schwindelig. Das war ganz schön viel für einen Tag. Aber das hatte sie davon. Schließlich hatte sie beschlossen, dass ihr Leben so nicht weiter gehen konnte und war losgefahren, um alles zu ändern. Da flog auch schon die Tür hinter ihr auf und ihr Sohn stand grinsend da. „Hab ich doch gesagt, dass es reicht, Majas Kleider zur Bahnhofsmission zu bringen, um alles zu ändern. Aber wieso du gleich noch deine Schuhe loswerden musstest, musst du mir sofort erzählen.“ Ein Kreischen unterbrach ihn und er starrte jetzt auch auf den grünen Drachen. „Was ist das denn?“, seine Kinnlade klappte herunter.

Renate sah ihn an: „Ich habe keine Ahnung.“

Lilly kreischte wieder. Aber es klang weder ängstlich, noch verzweifelt, sondern einfach fröhlich. Der Drache hatte inzwischen seinen Kopf verloren. Er kullerte auf den Flurfliesen herum. An der Stelle, wo er auf den Schultern des grünen Ungetüms gesessen hatte, waren jetzt dunkle Locken zu sehen. Sie waren verklebt, weil die Person in dem Kostüm offensichtlich extrem schwitzte. Lilly kreischte wieder und hüpfte auf dem Drachen herum. „Fridolin, Fridolin, Fridolin.“

Renate sah die anderen zwei Kinder fragend an. „Sollten wir sie von ihm runterholen?“ Annabell und Finn grinsten nur. „Schon gut, das ist nur Fridolin. Unser Onkel.“

„Ihr habt einen Onkel? Wieso hat der euch heute nicht abholen können?“, rutschte es Renate heraus.

Finn sah sie schief an, „Das geht doch nicht, Fridolin ist viel zu unzuverlässig. Sagt Papa immer.“

Na toll, dachte Renate. Da hatten wir jetzt drei Kinder, zwei Haustiere, einen unzuverlässigen Drachen und eine Situation die sie komplett überforderte.

„Pizza?“, ihr Sohn kannte sie einfach zu gut. Genau deshalb hatte er herkommen sollen. Sie nickte und ging auf die Wohnzimmertür zu. „Halt!“, Finn schob sie zur Seite. „Wir gehen besser zuerst rein. Will kennt dich nicht, er ist nämlich eine Wachkatze.“ Das hatte er allerdings zu spät gesagt, denn Renate hatte schon die Tür aufgeschlossen und Katzenzähne bohrten sich in ihren großen Zeh.

 

Fortsetzung Nr. 8 (Ina): 

Sie schrie auf – die Katze biss noch fester, neben ihr tauchte ein Drachenfuß auf und stupste die Katze an. „Lass sie in Ruhe“, die Katze sah erschrocken hoch und rannte dann zu den Kindern in den Flur.

Hinter den Locken zeigten sich dunkle Augen. Der Mann, nun ja, es war eher ein junger Kerl, sah nach unten. „Sie bluten.“

Sie biss sich auf die Lippen. „Das habe ich heute auch schon zu jemanden gesagt, zu ihrem Bruder!?“

„Andreas?! Was ist mit ihm?!“

Sie zog ihn etwas zur Seite. „Er ist im Krankenhaus, Kopfverletzung, es wird aber.“

„Du meine Güte. Kann ich ihn anrufen?“

„Vielleicht nach dem Essen – mit den Kindern zusammen?“

„Ja, natürlich.“ Er lächelte sie an. Er betrachtete ihr Gesicht. Renate wandte den Blick ab.

„Zeigt ihr mir die Küche?“, hörte sie ihren Sohn rufen. „Yeeeaaahr“, hörte sie zwei der Kinder jubeln. Finn kam ins Zimmer und schlang die Arme um den dicken Drachenbauch. „Papa ist nicht da.“ Fridolin versuchte sich zu ihm runter zu beugen und kippte leicht, humpelnd stemmte sich Renate gegen ihn. „Alles gut, mein Großer, ich bin da und diese sehr nette Frau ohne Schuhe auch.“ Er grinste.

Finn sah die beiden an, „ich hole ihr Socken!“

Renate lächelte. „Das ist das Beste, was ich heute höre.“

Ihr Sohn kam herein und trug zwei riesige Teller mit Pizza. „Abendbrot!“

Die Kinder stürmten in das Zimmer. Finn reichte ihr die Socken. „Vielen Dank.“

„Wer füttert mich?“, rief Fridolin. „Wir alle!“, rief Lilly. Abwechselnd schoben sie sich und Fridolin die Pizzastücke in den Mund. Während des Essens wurden sie ruhiger.

Das Essen tat gut, in ihr wurde es warm, die Kinder waren endlich zu Hause und in der Nähe ihrer Betten.

Ihr Sohn musterte sie. „Siehst du“, sagte Michael, „nur wegen der Wette hattest du so einen aufregenden Tag und hast anscheinend gleich zwei Männer kennengelernt.“ Er sah zu Finn. „Entschuldige, sogar drei.“

Renate nahm eines der Kissen und warf es nach ihm.

Fridolin sah sie an und grinste verschmitzt. Ihre Blicke trafen sich. Er kaute und sah ihr tief in die Augen. Meine Güte, flirtete er mit ihr? Sie war doch mindestens fünfzehn Jahre älter.

„Waff für eine Wette?“, fragte er zwischen den Bissen.

 

Fortsetzung Nr. 9 (Anna): 

Renate schluckte. Schon mehrmals war sie heute kurz davor gewesen, es zu erzählen – das Undenkbare. Bisher hatte sie sich immer zurückhalten können. Sie wollte das doch nie: So eine emotionale Kuh sein, die jedem gleich ihre Tragödie auftischte und intime Details ausplauderte. Sie nahm sich noch ein Stück Pizza, sah auf den geschmolzenen Käse, roch die Salami und biss noch einmal ab. War es wirklich noch so wichtig, ob es jemand außerhalb der Familie wusste oder nicht? War nicht, nach allem, was passiert war, endlich Zeit loszulassen? Sie schob die Pizza extra weit in ihren Mund, damit er ja so voll wäre, dass sie nicht sprechen könnte und starrte auf die Socken, die ihr Finn vor ein paar Minuten in die Hand gedrückt hatte. Sie sahen eindeutig männlich aus. Und zu groß waren sie ihr. Zu groß wie ihr altes Leben.

„Majscha hatmisch vlasden.“

Die Worte kamen einfach so aus ihr heraus. Sie waren kaum zu verstehen, aber für Renate war das sehr viel. Michael sah seine Mutter mit großen Augen an. Sie hatte wirklich etwas sehr Privates gesagt und hielt sich an ihre Abmachung, jeden Tag etwas Neues auszuprobieren. Und dabei war es heute schon die zweite Sache.

Renate schlucke die Pizza herunter und plapperte los: Wie sie Matthias kennengelernt und ihn verletzt hatte. Wie sie die Tüten zur Bahnhofsmission gebracht hatte, wie sie überhaupt erst auf die Idee gekommen war, weil es da diese Wette mit ihren Kindern gab. Wie sie Majas ultrasexy Kleidchen, die Renate plötzlich so hasste, in die Tüten gestopft und verschenkt hatte, einfach nur, um etwas Neues zu tun statt zu Hause zu weinen. Immer weiter redete sie sich in die Vergangenheit hinein. Bis zu dem entscheidenden Punkt: Das Maja, ihre große Liebe, sie verlassen hatte und ihr Leben deshalb gerade gar keinen Sinn mehr machte.

Fridolin fiel dazu nur eins ein: „Ich hab keine Chance bei dir?“

Renate lachte. Das war das Letzte, das sie erwartet halte. Immer hatte sie sich in den schillerndsten Farben ausgemalt, wie Leute auf ihr Outing reagieren würden. Jahrelang hatte sie alles geleugnet und verschwiegen, nur ihre Familie wusste davon. Jahrelang hatte sie mit der Geheimniskrämerei ihre Beziehung zu Maja ruiniert, bis am Ende keine Kraft für die Liebe mehr übrig gewesen war.

Fridolin störte es gar nicht. Er dachte nur darüber nach, ob er sie ins Bett kriegen würde oder nicht. Und Renate, die Renate, die sich eigentlich seit Jahren keinen Mann an ihrer Seite vorstellen konnte, fand das gar nicht so schlimm.

„Hab ich was Falsches gesagt?“

Renate schüttelte den Kopf und lächelte ihn an.

 

Fortsetzung Nr. 10 (Ina): 

Michael setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schulter. „Mensch, Mama, hättest du mir das mal eher gesagt, wir hätten doch zusammen auf die Rolle gehen können.“

Sie boxte ihn gegen die Schulter, „du bist ein Blödmann“.

Er legte den Kopf leicht schief. „Wie geht es dir?“

Sie merkte, wie sich ihre Kehle zuschnürte. „Ich fühlte mich so allein.“

Fridolin stand auf und kippte dabei fast um, dann ließ er sich ebenfalls neben sie plumpsen. „Ich glaube, heute hast du viele neue Freunde gewonnen, oder Kinder?“

Die Kids stürmten auf sie los und umarmten sie gleichzeitig: „joaaaaaahhhrr“.

Renate lachte auf und schüttelte über ihr eigenes Verhalten den Kopf.

Warum hatte sie nicht viel eher den Mut gefunden?

Manchmal braucht es vielleicht ein paar Fremde, um die richtige Entscheidung zu treffen.

 

 Wie unser Schreibprojekt entstanden ist und wie das gemeinsame Schreiben lief, erzählen wir Euch in diesem Post.

 

Das war hart #NaNoWriMo

So ist er nun mal: Ein Schreibmarathon hat es in sich. Es ist geschafft und jetzt geht es an die Fertigstellung und dann an das Feilen, Redigieren, Lektorieren, Korrigieren …

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Mein Bekenntnis: Bin mitten im Schreibmarathon

Weltweit sind im November hunderttausende Menschen an einem Schreibmarathon beteiligt. Das Projekt heißt NaNoWriMo (http://nanowrimo.org/). Dieses Jahr bin ich zum dritten oder vierten Mal dabei, und eigentlich hatte ich gehofft, dass ich bis zum Bergfest am 15. November auch die Hälfte der Strecke geschafft habe. Das bedeutet, ich hätte 25.000 Wörter schreiben müssen, denn insgesamt sind 50.000 Wörter zu schreiben. Und selbst für einen routinierten Schreiber wie mich ist das harte Arbeit, nicht ohne Weiteres zu schaffen oder wie manche sagen „absoluter Schreibwahnsinn“. Nachdem ich in der Monatsmitte das Ziel noch nicht erreicht hatte, war ich skeptisch.

Der Wettbewerb läuft jedes Jahr anders und hängt ganz davon ab, wie fit du bist, wie ausgeschlafen, ob du gut vorbereitet bist. Offen gestanden bin ich dieses Jahr nicht besonders gut vorbereitet gestartet dafür hatte ich zu viel Arbeit mit den Kurzromanen, ganz nebenbei läuft ja noch die Reihe „Liebe“ und es gibt das neue Projekt mit dem Psychothriller Club. Aber weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die so schnell aufgeben, habe ich einfach weiter geschrieben und noch einen Gang zugelegt. Am letzten Wochenende konnte ich sogar einen kleinen Puffer raus arbeiten. Allerdings darf jetzt nicht wirklich etwas dazwischen kommen, wenn ich das Ziel noch erreichen will. Denn es sind noch etwas mehr als 7200 Wörter zu schreiben. Aber ich habe Hoffnung.

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Man muss natürlich immer dazu sagen, dass sich eine sehr routinierte Schreiberin bin, ich habe es gelernt und bin alleine durch meine tägliche Arbeit im Dauertraining. Das ist noch ganz anders, als bei meinem ersten Schreibmarathon vor (ich hab es vergessen wie vielen) Jahren. Trotzdem kann ich jeden ermutigen, es zu versuchen. Wenn es für euch in diesem Jahr zu spät ist, dann seid im nächsten Jahr dabei.

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Thema von Anders Norén.