Anna Thur

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Schlagwort: Interview

Frei nach Robin Hood – Ina Steg über das Schreiben

Eine Kollegin, deren (Schreib-)Stimme mir mehr und mehr ans Herz wächst und die ich nicht mehr missen möchte, hat ein neues Buch veröffentlicht. Eine schöne Gelegenheit, sie zu Wort kommen zu lassen und etwas mehr über Ihr Buch und das Schreiben zu erfahren und nicht zuletzt, um ihrer Stimme ein wenig zu lauschen …

Dein neues Buch ist da. Herzlichen Glückwunsch. Magst du etwas darüber erzählen, wie es entstanden ist?

Vielen Dank, ja, sehr gerne. In „Eine Diebin zum Verlieben“ habe ich eine Figur in die Gegenwart geholt, die mich seit meiner Kindheit begleitet. Jedes Mal, wenn ich etwas über Robin Hood sah oder las, hallte in mir ein besonderes Gefühl nach. Mich beeindruckte dieser Wille und Mut, sich für die Schwachen einzusetzen. Daran erinnerte ich mich, als ich überlegte, welches Thema mich so faszinieren könnte, um mich viele Monate damit zu beschäftigen. Ich stellte mir die Frage, was passieren würde, wenn ich aus der Legende Robin Hood eine lesbische Frau machen würde.

Dass es Robin Hood gegeben hat, konnte nie bewiesen werden. Es gibt jedoch ein paar reale Räuber, durch die einige Schriftsteller inspiriert wurden, wie zum Beispiel Christian August Vulpius, der die Figur Rinaldo Rinaldini erschuf. Im 18. Jahrhundert lebte in Italien der Räuberhauptmann Angelo Duca, der aufgrund seines Gerechtigkeitssinns für viele zum Helden wurde. Ich machte ihn zu dem Vorbild meiner Robin und ließ so seine Geschichte und die Ergebnisse meiner Recherchen in den Roman mit einfließen.

War das Schreiben diesmal anders, jetzt beim zweiten Buch?

Ja und das hat mich zunächst sehr irritiert. Beim ersten Buch, „Alles nur Kulisse“, hatte ich eine grobe Vorstellung von den beiden Hauptfiguren und beschäftigte mich dann mit Daily Soaps, Sektenstrukturen und der Rolle eines jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft. Umso mehr ich über die Thematiken wusste, umso häufiger bekam ich Ideen für Szenen in denen die Figuren auftauchen sollten und wollten. Ich schrieb nicht chronologisch, sondern fügte die Szenen Stück für Stück zusammen. Das machte die Überarbeitung langwierig, denn obwohl die Geschichte für mich im Kopf komplett war, waren die Übergänge nicht immer flüssig und logisch.

Beim zweiten Buch ließ ich zunächst die Figuren über einen langen Zeitraum entstehen. Ich füllte Charakterbögen und schrieb Vorkommnisse aus ihrer Vergangenheit auf. Es gibt eine Art sich der Figur zu nähern, die ich sehr mag, man lässt sie aus ihrer Perspektive einen Brief, oder auch mehrere, an die Autorin schreiben. Während der Brief entsteht, offenbaren sich viele Charaktereigenschaften der Figuren. Es ging zum Beispiel damit los, dass Robin mich duzte, während Hanna mich siezte. Hanna erzählte direkt von ihrer beruflichen Situation, was mir zeigte, dass sie das sehr beschäftigte. Robin schrieb frei heraus: „Ich soll dir über mich erzählen wer ich bin. Nun, man würde mich wohl als eine Diebin bezeichnen. Ich bin eine Diebin, zweifelsfrei. Ja, natürlich, ich stehle. Aber ich klaue von denjenigen, die anderen Unrechtes getan haben.“ Durch diese Übung bekam ich auch schnell ein Gefühl für die Sprache der beiden. Ich hoffte, dass mir die Ideen für die Szenen anschließend wieder zufliegen würden, doch klare Bilder blieben aus. Stattdessen redeten die beiden weiter. Ich füllte einen Schreibblock sowie etliche Notizzettel mit einzelnen Sätzen, kurzen möglichen Dialogen und Vorgehensweisen von Robin und Hanna. Dabei merkte ich, dass ich erst einen Weg finden musste, diese beiden unterschiedlichen Frauen zueinander zu bringen und verstehen musste, warum sie sich ineinander verliebten. Als das gelöst war, kamen auch die Ideen für Orte und Szenen. Ich entwickelte in einer Woche ein Stufendiagramm mit Kapitelabfolgen, an dem ich mich entlang schrieb und die Szenen ausformulierte. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich nicht ein Grundrezept für die Entwicklung einer Geschichte nehmen kann, nur weil es mal gut funktioniert hat. Jeder Text scheint eine andere Herangehensweise zu benötigen.

Du hast einen Hauptberuf, wie viel Zeit bleibt Dir da für das Schreiben und wie organisierst Du Dich, Dein Schreiben?

Auch das scheint in einem stetigen Wandel zu sein. Das erste Buch habe ich zum Teil vor der Arbeit geschrieben, außerdem hatte ich immer ein Notizbuch dabei und schrieb Szenenfragmente, wenn es die Zeit hergab. Beim zweiten Buch habe ich mir unter der Woche einen Abend freigehalten und schrieb dann ungefähr zwei Stunden am Stück sowie mindestens einen Tag des Wochenendes. Die Kurzgeschichte „12 Tage“ entstand überwiegend handschriftlich auf einem Block, ich schrieb während ich draußen im Park saß, spätabends tippte ich den Text dann ab und überarbeitete ihn direkt.

Unter der Woche bin ich nun meist zu müde, ich versuche mir mindestens einen ganzen Tag des Wochenendes freizuhalten, zudem nehme ich mir einige Urlaubstage im Jahr, um diese durchzuschreiben. Ich denke, man sollte da nicht zu streng mit sich sein und krampfhaft versuchen ein bestimmtes Konstrukt durchzuhalten, nur weil es bei einem abgeschlossenen Projekt funktioniert hat. Der Alltag verändert sich und einem selbst geht es auch nicht immer gleich gut. Ich versuche mittlerweile immer neu zu entscheiden und zu überlegen: wie klappt das Schreiben heute für dich? Welche Form macht dir Spaß? Willst du viele Stunden am Stück schreiben, oder nur eine halbe Stunde auf dem Notizblock? So komme ich gut voran, also, zumindest momentan.

Schreiben ist nicht immer einfach. Warum tust Du Dir das an und was ist Schreiben für Dich?

Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, mich voll und ganz einem Gefühl hinzugeben. Ich kann mich den vielen Facetten einer Figur nähern, wie ich es mich nur bei den wenigsten Menschen trauen würde. Ich nehme mir die Zeit, eine Szene so intensiv zu durchleben, wie es in der Realität nicht möglich wäre. Ich erlaube mir, auf Details zu achten, was im Alltag leider oft untergeht. Das macht das Schreiben für mich zu etwas sehr besonderem. Ich kann zum Beispiel etwas Schönes festhalten und habe die Möglichkeit, es noch besser zu machen. Drei Stunden an einer Kuss-Szene zu schreiben ist nicht nur aufregend, es erlaubt mir auch, diesen Moment anzuhalten und ihn von vielen Seiten zu betrachten. Am Tag nachdem ich geschrieben habe, erlebe ich vieles bewusster. Ich achte auch bei mir vertrauten Menschen auf Gesten und Mimik und entdecke Neues, ich betrachte die Farben um mich herum genauer, bleibe öfter stehen um den vielen Geräuschen zu lauschen. Dieses Abtauchen in eine Phantasiewelt lenkt meinen Blick auf die Schönheit um mich herum.

Was machst Du, wenn Du mit einer Geschichte nicht weiter kommst?

Diese Situation hatte ich erst vor ein paar Wochen, mittlerweile habe ich zum Glück erkannt, was mir hilft, ich brauche dann neuen Input. Ich beschäftige mich mit dem Grundthema der Geschichte, lese Sachbücher oder Artikel, momentan schaue ich viele Dokumentationen. Kritzeln in Form des Mindmappings hilft mir ebenfalls; ich klappe den Notizblock auf, schreibe Worte die mich beschäftigen in die Mitte, und ergänze Assoziationen, auch wenn diese vielleicht nichts mit der Geschichte zu tun haben.

Mittlerweile habe ich auch gelernt den Text zu ignorieren und mich erst wieder dranzusetzen, wenn ich ein gutes Bauchgefühl habe. Noch beim letzten Buch war ich sauer auf mich, wenn es mit dem Schreiben mal nicht klappte. Ich bekam dann schlechte Laune, war unzufrieden und habe auch das ganze Projekt in Frage gestellt. Ich denke mittlerweile, man sollte sich nicht unter Druck setzen und auf sich vertrauen. Wenn es ein Thema gibt, das einem am Herzen liegt und man Figuren entwickelt hat, die man irgendwann mit anderen teilen möchte, dann werden die passenden Worte dazu ihren Weg auf das Papier finden. Selbst wenn einige Wochen verstreichen, oder auch mal ganze Szenen gestrichen werden müssen, ist diese Zeit nicht vergebens, denn jeder Schritt wieder hin zu der Geschichte, lässt sie am Ende zu dem einen besonderen Text werden.

Gibt es schon ein neues Projekt?

Ja, ich arbeite an einem Romanmanuskript. Die Grundthematik habe ich, und die ersten Szenen sind verfasst, doch mir fehlt bisher der Mut darüber zu reden. Ich weiß noch nicht, wie es für die beiden Hauptfiguren ausgehen wird und wie sie an ihre Ziele gelangen. Erst wenn ich das herausgefunden habe, kann ich zum Beispiel auch mit meinem Verlag über die Geschichte reden. Ich weiß, dass ich die Figuren dann gegebenenfalls verteidigen muss, dafür muss ich zu ihnen stehen können und momentan kenne ich sie dafür noch nicht gut genug. Es wird wohl Zeit, ein paar Briefe zu lesen.

Weiterlesen!

Wer jetzt neugierig auf das Buch geworden ist: Hier kommst Du zum Buch und hier erfährst Du mehr über die Autorin. Und natürlich habe ich auch das Buch gelesen und hier dazu ein paar Gedanken festgehalten.

Bevor es für Dich heißt „Viel Spaß beim Weiterlesen!“ – welche Briefe fallen Dir spontan ein, für die es Zeit wäre, sie zu lesen?

[Werkstatt] „Willst Du mit mir …“ Resümee zum Schreibprojekt

Genau vor einem Jahr, im November 2014, schrieben wir die ersten Sätze unserer gemeinsamen Geschichte und starteten damit ein Schreibprojekt, das uns viele Monate begleitete.

Alles begann mit der Frage von Ina an Anna: „Willst Du mit mir schreiben?“

Nun haben wir in einem Gespräch ein Resümee aus den Erfahrungen gezogen, an denen wir andere gerne teilhaben lassen möchten.

Ina: Immer mal, wenn ich abgedruckte Briefwechsel zwischen Künstlern las, war ich fasziniert davon, wie diese durch ihren Austausch inspiriert wurden, worüber sie diskutierten und stritten und wie sich ihre Art zu Schreiben im Laufe der Zeit veränderte. Anna Thur kannte ich seit einiger Zeit über Twitter. Ich hatte schon Geschichten von ihr gelesen und redigiert und immer wieder merkte ich danach, dass etwas ihres Erzähltons in mir nachschwang. Ich stellte mir die Frage, ob es klappen könnte, gemeinsam eine Geschichte zu schreiben. Also fragte ich sie.

Anna: Wenn ich an die Situation denke, muss ich heute noch schmunzeln. Auf der einen Seite hatte ich ein supergutes Gefühl bei Ina, aber zu dem Zeitpunkt war sie ohne ein Gesicht und mit dem Namen Yeeaaaahhrr unterwegs. Das machte es ‚spannend‘ …

Ina: Ach ja, das war noch meine Findungsphase auf Twitter. Anna hat später mal gesagt, dass sie ein gutes Bauchgefühl gehabt hätte und ich finde es total schön, dass sie dem gefolgt ist. Mir hat es auch wieder gezeigt, dass man trotz der weitverbreiteten Anonymität in den Sozialen Medien neue Leute kennenlernen kann, man braucht halt etwas Mut und Geduld.

 

Was gab es für Überlegungen und wer schrieb den Anfang?

Anna: Nach dem Beschluss, dass wir zusammen schreiben, kam erst mal die große Frage: Wie jetzt eigentlich? Wie geht das, was brauchen wir? Wir haben uns öfter geschrieben, uns herangetastet und wussten trotzdem erst nicht so richtig, wie wir anfangen sollten.

Ina: Wir stellten zunächst einige Regeln auf, zum Beispiel, dass jede bei ihrem Part minimal einen Absatz, und maximal eine Seite schreiben sollte.

Anna: In einem Worddokument haben wir uns ausgetauscht, Fragen formuliert, Dinge, wie zum Beispiel die Regeln zur Abschnittslänge festgehalten. Ich hab dann einfach folgende Fakten in den Raum geworfen: Renate, Hauptbahnhof und Hamburg, weil ich Hamburg so mag und Ina hat den Anfang geschrieben, da wir unbedingt loslegen wollten.

Ina: Um ein Ziel vor Augen zu haben, setzten wir uns als Schlusstermin Ende Februar 2015. Das Schreiben machte aber solchen Spaß, dass wir die Deadline verlängerten. Es wurde Sommer.

 

Was passierte während des Schreibens? Was war schwierig? Was lief gut?

Ina: Ich weiß noch, dass ich es zu Beginn sehr schwierig fand, von meinem eigenen Plan für die Geschichte wegzukommen. Ich hatte einen starken Fokus auf die Wetten gelegt und hielt diese für den roten Faden der Geschichte, somit wollte ich den auch immer wieder aufgreifen. Schon nach einigen Absätzen lief Renate mir jedoch regelrecht davon und wurde in ein ganz neues Abenteuer verwickelt.

Anna: Ich merkte auch, dass wir in unterschiedliche Richtungen strebten. Fand das aber sehr spannend, weil wir ja am Anfang extra beschlossen hatten, dass wir das offen halten. Schwieriger fand ich, in einen Schreibrhythmus reinzukommen, der Text wird deshalb auch erst später flüssiger und es wurde immer einfacher weiterzuschreiben.

Ina: Für mich war es gut, eine Deadline für den Schluss zu haben. Denn so habe ich mich immer wieder gedanklich mit dem Text beschäftigt. Genauso hilfreich war es jedoch, dass wir uns für die einzelnen Abschnitte die Zeit nehmen konnten, die wir brauchten. Ich schrieb sofort weiter, wenn ich direkt in die Szene eintauchen konnte. Wenn ich jedoch die Verantwortung hatte einen Ortswechsel durchzuführen oder eine neue Figur hinzugekommen war, brauchte ich länger.

Anna: Stimmt, so eine Deadline hat echt Vorteile, genauso, wie den Umfang der Abschnitte einzugrenzen. Das nächste Mal würde ich den dramaturgischen Rahmen enger stecken, auch wenn es einschränkt. Dadurch wird die Nacharbeit reduziert und die ist letztlich unsere große Baustelle geworden …

Ina: Uns fehlte ja zu Beginn die gemeinsame Fokussierung auf eine bestimmte Message. Zudem hatten wir nicht festgelegt, ob und wie sich Renate durch die neuen Menschen um sich herum verändert. Das hat sich erst in den letzten beiden Abschnitten herauskristallisiert. Wir müssten nun die ganze Geschichte aufarbeiten, mit der Endaussage im Kopf.

 

Was geschah, als die Geschichte zu Ende war?

Anna: Zuerst wollte ich gar nicht mehr aufhören, weil die Zusammenarbeit solchen Spaß gemacht hat. Aber wir waren an einen Punkt gekommen, an dem wir etwas an dem Ablauf der Zusammenarbeit hätten verändern müssen. Ohne gemeinsame Abstimmung hätten wir nicht mehr weiterschreiben können, vor allem nicht in dieser Figurenkonstellation. Wir vereinbarten, dass diejenige das Ende schreiben sollte, die es in dem Moment für die Figur am passendsten hielt.

Ina: Ohne es besprochen zu haben, wollten wir beide, dass es für Renate gut ausgeht. Ich hoffe, das ist uns gelungen. Ich würde so ein Schreibprojekt auf jeden Fall wieder machen, allerdings mit konkreteren Überlegungen zu den Hauptfiguren und der Botschaft, so wie Anna es auch schon angesprochen hat. Momentan haben wir leider nicht die Zeit, die Geschichte komplett zu überarbeiten. Wir wollten sie jedoch gern in irgendeiner Form mit anderen teilen und da kam uns die Idee mit dem schrittweise veröffentlichen auf unseren Blogs.

Anna: Und die positiven Reaktionen auf das Veröffentlichen auf unseren Blogs haben uns gezeigt, dass es eine gute Entscheidung war. Obwohl die Geschichte natürlich an der einen oder anderen Stelle holpert und wir ein paar inhaltliche Unstimmigkeiten drin haben, mögen die Leute es, die Geschichte zu lesen und mehr von unserer Arbeit zu erfahren.

Ina: Ich habe bei dieser Art der Zusammenarbeit viel gelernt. Zum Beispiel habe ich mich sehr intensiv auf die Figur eingelassen, weil ich nachempfinden wollte, warum Anna sie nun in dieser Weise handeln lässt oder warum sie plötzlich einen neuen Weg für sie vorgesehen hat. Es war auch mal ganz interessant, nicht komplett allein für die Figuren verantwortlich zu sein, sondern Anna indirekt sagen zu können: so, jetzt übernimm du bitte.

Anna: Das ging mir auch so und da hatten wir wirklich Glück miteinander, dass wir uns vertrauen konnten und unsere Zusammenarbeit in diesem Jahr auch über das Projekt hinaus so gut gewachsen ist. Das ist etwas Besonderes. Danke Dir Ina dafür und für „Willst Du mit mir schreiben?“.

Ina: Das kann ich nur zurückgeben. Na dann, auf ein Neues?

Anna: Ina, wie wäre es, wenn Du das „?“ am Ende Deines letzten Satzes in „!“ änderst?

Ina: Gerne!

 

Wie findet Ihr Projekte dieser Art und wie hat Euch die Geschichte gefallen? Wir freuen uns sehr über Eure Kommentare dazu!

 

Die komplette Geschichte könnt Ihr übrigens hier nachlesen: http://www.annathur.de/werkstatt-willst-du-mit-mir-die-geschichte/

Alles für die Liebe: Anne Colwey [Interview]

Nur noch zwei Tage bis Annes neues Buch erscheint, das übrigens schon jetzt als Historischer Thriller auf Platz 10 im Kindle-Shop ist. Dazu herzlichen Glückwunsch und weiterhin toitoitoi. Schön, dass sie trotz ihres trubeligen Frühjahrs Zeit für meine Fragen passend zum #ww (Writers Wednesday) und zum Plaudern rund um das Schreiben gefunden hat.

 

Benutzt Du ein oder mehrere Notizbücher und wie sehen die aus? Ist es total systematisch oder schreibst Du wild alles zu unterschiedlichen Projekten hinein?

Notizbuecher Anne Colwey Blog Anna ThurIch habe mehrere Notizbücher sowie Aktenordner zu den einzelnen Projekten. Zunächst schreibe ich querbeet in die Notizbücher, da mir manchmal nur Kleinigkeiten einfallen, dann wiederum auch ganze Szenen. Ein Projekt, das „Hauptprojekt“, ist immer gegenwärtig, dennoch halte ich Ideen, Szenen, Charaktere zu anderen Projekten auch gleich fest. Denn wenn ich sie aufgeschrieben habe, kann ich sie loslassen und mich wieder um das Hauptprojekt kümmern. Die Notizen werden dann im Projektordner gesammelt und Schritt für Schritt auf ihre Tauglichkeit geprüft. Erst ganz zum Schluss, wenn ich das ganze Gerüst des Romans in Form von Notizen festgehalten habe, fange ich an, die Geschichte am PC zu gliedern.

 

Letzte Woche zum Beispiel hast Du immer wieder im Café gearbeitet. Was sind Vor- und was sind Nachteile?

Manchmal muss ich meinen Schreibtisch verlassen, wenn ich das Gefühl bekomme, dass mir daheim die Decke auf den Kopf fällt. Dann suche ich in unserer Kleinstadt einen der Bäcker oder ein Café auf, um dort weiter zu arbeiten. Wenn es dort ruhig ist, kann ich mich sehr gut in meine Arbeit vertiefen, nimmt der Lärmpegel allerdings Überhand, komme ich nicht in die Szene rein, die ich schreiben will. Wünschenswert wäre es, einen Platz zu finden, der nicht zu Hause ist, aber auch nicht unbedingt dauerhaft ein Café ist, denn das geht dann doch ins Geld.

 

Wie strukturierst Du Deine Arbeit – wie war es zum Beispiel bei Deinem aktuellen Buch oder darfst Du schon etwas über das kommende Buch verraten?

Ich gliedere meine Romane sehr detailliert. Das ist besonders wichtig für mich, weil ich familiär bedingt sehr oft aus dem Schreibprozess heraus gerissen werde, und die detaillierte Gliederung es mir erleichtert, möglichst schnell wieder in die Geschichte einzusteigen. Über den Sommer werde ich am zweiten Band meiner Tillisburgh-Reihe arbeiten. Die Gliederung für diesen Roman habe ich während des Winters 2014/2015 gemacht. Die fertigen Romangliederungen bleiben oft eine Weile liegen, sodass sie sich setzen können. Wenn ich sie mir dann wieder hervorhole und angucke, habe ich mehr Distanz zu dem geplanten Werk und kann die Gliederung objektiver betrachten. Das hilft immens, Logikfehler aufzuspüren und zu verbessern. Im Moment gliedere ich gerade ein Werk, von dem ich bereits jetzt weiß, dass ich es frühestens im Winter 2016/2017 anfangen werde zu schreiben.

 

Gibt es bestimmte Arbeiten, die Du nur unterwegs oder nur am Schreibtisch machst?

Nein, durch die Mobilität mit Smartphone und Laptop hat sich das relativiert. Ich könnte quasi alle Arbeiten von überall aus erledigen. Ich bezweifle aber, ob das ratsam ist. Ich ziehe es vor, mir meine Arbeit in Pakete einzuteilen, sodass ich sie überwiegend am selben Ort (Schreibtisch) abarbeiten kann.

 

Über Anne

Ihr Fotograf - Matthias Strohmeyer

Ihr Fotograf – Matthias Strohmeyer

Anne Colwey wurde 1980 in Bassum geboren. Ihre Romane entführen den Leser in eine verlockende Welt der Liebe. Das Herzklopfen ist eines der schönsten Gefühle, die zwei Menschen erleben können. Anne versteht es den Leser zu verzaubern und die Augen für die schönen und einzigartigen Dinge im Leben zu öffnen. Inspiration für ihre Romane findet sie auf Reisen in der ganzen Welt. Mit ihrem Mann und süßen Zwillingen lebt sie in Norddeutschland und widmet die kostbare Freizeit ihrer abenteuerlustigen Familie. Zum Ausgleich genießt sie ihre sportlichen Hobbies: Badminton, lange Spaziergänge und das Schwimmen. Ihre Schwäche für Schokolade, köstliche Desserts und Eis machen sie zu einer sehr sympathischen Autorin.

Hier findet Ihr Anne im Internet:

http://www.anne-colwey.de/

Facebook http://www.facebook.com/AnneColweyAutor

Google+ https://plus.google.com/+AnnecolweyDeBooks
 

Das aktuelle Buch von Anne ist „Ein verflixter Heiratsantrag“

9783955732493_500Klappentext:

Alma, Buchhändlerin aus Leidenschaft, liebt ihren morgendlichen Café Latte mit Croissant und ihre Heimat, die Kleinstadt Tillisburgh. Doch mit der Ruhe in ihrem Leben ist es nun vorbei: Ausgerechnet vor ihrer Lieblingsbäckerei stößt sie mit dem charmanten Matt zusammen, und die Zufallsbekanntschaft mündet in einen atemberaubenden Kuss. Leidenschaftlich, gut aussehend – was für ein Mann! Falsch, was für ein Arschloch! Schon bald entpuppt sich Matt als der zukünftige Inhaber der Buchhandlung, in der Alma arbeitet, und stellt Alma vor die Wahl: ihn zu heiraten oder ihren Job aufzugeben und aus Tillisburgh wegzugehen. Was für ein mieses, erpresserisches Angebot! Unter diesen Umständen scheint ihre Beziehung, die so schön begann, kaum eine Chance zu haben …

Fakten:

„Ein verflixter Heiratsantrag“
Klarant Verlag
ISBN: 9783955732493
Genre: Zeitgenössischer Liebesroman
Veröffentlicht am: 02. Mai 2015

Lesen und Bloggen im Buchstabensalat [Interview]

Heute darf ich Buchbloggerin Alexandra interviewen. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, denn Alexandra fällt es schwer, in der Öffentlichkeit zu schreiben. Warum? Sie ist Legasthenikerin. Ein Fakt, mit dem sie sehr offen auf ihrem Blog umgeht. Ehrlich gesagt dachte ich am Anfang, dass es ein Wortspiel wäre so wie Buchjunkie oder Leseratte. Wahrscheinlich kam ich darauf, weil sie in einem sehr persönlichen Ton schreibt, mit einer ganz eigenen Stimme. Und weil ihre Posts rund ums Lesen, zum Beispiel über die Good-reads-App oder die Faszination Lesen, so spannend waren, habe ich die kleinen Auffälligkeiten ignoriert. Außerdem wohnt Alexandra in einer der vier Städte, die ich für die Schönsten der Welt halte: in Zürich.

 

Danke erstmal dafür das ich hier deine Fragen beantworten darf. Es freut mich natürlich zu hören das dir mein Blog gefällt, auch wen ich immer überrascht bin das es etwas besonderes sein soll. Aber wichtig ist mir schon das ich auch authentisch rüber komme. Und ja, Zürich ist wunderschön aber leider genau so teuer.

 

Legastheniker können mit verschiedenen Problemen kämpfen: Sie können manchmal schwer lesen, schlecht schreiben oder rechnen, oder alles zusammen. Wie ist es bei Dir gelagert und wie wurde es festgestellt?

Alexandra http://derbuecherwahnsinn.blogspot.ch/

Alexandra http://derbuecherwahnsinn.blogspot.ch/

Bei mir sieht es so aus, das alle 3 Sachen zusammen kommen. Festgestellt wurde es eigentlich erst richtig als ich erwachsen war, als wir zur Abklärung mit meinem Sohn waren. Da wars dann aber leider zu spät. Da war ich schon aus der Schule und es nutze mir leider nicht mehr viel. Früher in der Schule, was ja schon einige Jahre her ist, hiess es nur immer ich sei zu faul zum lernen oder ich sei zu dumm. In den 70er und 80er war das wohl bei uns an der Schule noch nicht so präsent bei den Lehrern. Das zeige sich auch immer wieder in den Zeugnissen wo man extra mit rot vermerkte; In Ortografie oft 1 oder 2 (in der Schweiz ist 1 die schlechteste Note, nicht wie in Deutschalnd) Dazu kommt eben auch das ich an Dyskalkulie leide. Das heisst das ich grosse Schwierigkeiten habe mit dem rechnen. Aber das beeinträchtigt mich jetzt beim lesen oder eben bloggen nicht. Zum Glück 😉

 

Ich versteh Legasthenie nicht ganz. Mal als Beispiel: Ich mache mir ständig unheimlich viele Gedanken darüber, dass ich Rechtschreibfehler in einen Text hauen könnte. Würden Dir diese Fehler auffallen, wenn Du sie bei mir liest?

Jein *lach* Es ist so, auch bei mir selber, also wenn ich schreibe, fallen mir gewisse Fehler auf, dann korrigiere ich sie, und manchmal erkenne ich die Fehler trotz Rechtschreibkorrektur nicht. Auch in Büchern sehe ich manche und andere wieder nicht. Es ist aber auch so, das ich über richtig geschriebene Wörter stolpere weil ich sie auf den ersten Blick nicht erkennen. Also von mir aus kannst du Fehler machen oder nicht, ich lese den Text genau so flüssig oder nicht wie immer. Es ist wirklich auch sehr Tagesform abhängig. Ach ja, und solltest du immer den selben Fehler machen, wird er mir mal auffallen mal nicht. Denn das ist bei der Legasthenie auch so, man macht nicht immer die selben Fehler. Mal schreibt man mal ein Wort richtig dann wieder nicht.

 

Du schreibst in Deinem Blog, dass Du durch Deine Mutter zum geschriebenen Wort gekommen bist?

Lieblingsleseplatz von Alexandra

Lieblingsleseplatz von Alexandra

Ja, und zwar einfach weil sie selber viel gelesen hat, aber mir nie druck gemacht hat selber zu lesen. Sie wusste wie schwer es mir fällt und da ich in der Schule unter sehr grossem Druck stand, wollte sie nicht auch noch welchen ausüben. Sie hat mir nie gesagt was ich lesen soll oder was nicht. Sie las gerne Krimis von Agatha Christi, sie hatte alle in einem Sonderband. Sie las aber auch gerne die Grusel-Heft-Romane von John Sinclair. Als Kind war ich immer fasziniert von Büchern, ich hielt sie gerne in der Hand, blätterte sie durch, aber gelesen habe ich bis 12 nie zum Spass. Bis ich eines Tages fragte, ob ich mir so ein Romanheft ausleihen durfte. Jetzt werden manche Eltern sicher sagen: „Sowas lässt man doch ne 12 jährige nicht lesen!“ Und ich sage… warum denn nicht? In dem Moment war es eben genau das was mich interessierte. Und die Hefte hatten so um die 60 oder 80 Seiten und machten mir nicht ganz so viel Angst wie die dicken Bücher. Und von da an hab ich gelesen, erst wirklich nur diese Hefte, welche ich geliebt habe. Dann mit 15 hab ich angefangen richtige Bücher zu lesen… und seid da hat es mich dann gepackt.

 

Bloggen ist ja doch eine recht zeitintensive Angelegenheit und ein aufwendiges Hobby. Warum hast Du Dir ausgerechnet das gesucht und womit hast Du dabei zu kämpfen?

Stimmt, das ist es wirklich. Aber es macht mir Spass. Als ich damals 2003 mit bloggen angefangen habe, wars ein rein privates Blog. Unter einen Psoidonym. Ich wollte einfach mit anderen Menschen in Konntakt kommen und mich austauschen. Irgendwann waren die Kinder dann ausser Haus den tag über und ich hatte endlich wieder mehr Zeit für mich und das lesen und so kamen dann auch Buchvorstellungen dazu. Nicht wie die, die ich heute schreibe, aber dennoch. Nach einer Weile nahm dann das Buchthema überhand und ich war mit meinem Bloganbieter nicht mehr zufrieden und so suchte ich mir einen neuen und gründete dann den Bücherwahnsinn 2009. Huch ich schweife ab… Warum grade bloggen? Hm… ich schreibe sehr gerne, ich tausche mich auch gerne aus. Also lag das nahe. Es mag komisch klingen das ich gerne schreibe, aber so wars schon immer. Trotz meiner Legasthenie hab ich auch in der Schule schon gerne Aufsätze geschrieben. Die waren immer sehr gut benotet nur eben die Ortographie lies zu wünschen übrig.

Alexandras Arbeitsplatz

Alexandras Arbeitsplatz

Womit ich beim schreiben probleme habe? Oder meinst du jetzt beim bloggen? Also beim scheiben liegt es auf der Hand, das ich mit der Rechtschreibung mühe habe. Nicht mehr so oft wie noch als Kind, denn durch das viele lesen hat sich da viel verändert. Und beim Bloggen ist es so, das ich zu Anfange sehr viele böse Mails bekommen habe, von Lesern meines Blogs, oder blöde Bemerkungen von Autoren oder sonstigen „Profis“. Wie zum Beispiel, ich solle doch erst richtig deutsch lernen bevor ich es wage ein Blog zu führen. Oder das sie es für eine Schande halten das ich mich traue überhaupt über Bücher zu schreiben aber nicht mal der deutschen Rechtschreibung mächtig sei und so weiter. Das sind so noch die heiligen Bemerkungen. Ich bin inzwischen  44 und man sollte denken das ich da drüber stehen sollte, tu ich aber nicht immer. Solche Bemerkungen verletzen mich immer wieder. Darum hab ich dann vor ein par Jahren geoutet. hab dazu einen Artikel geschrieben und auch erklärt was Legasthenie bedeutet. Seit da ist es praktisch still. Und wenn dennoch jemand einen dummen Latz hat, dann schreib ich eben nur „Wer lesen kann ist im Vorteil“ oder wenn einem die Person hinter dem Blog so wichtig ist, sollte man sich mal die Seite „Über mich“ zu herzen nehmen. Aber mehrheitlich sind die Reaktionen jetzt dann eher pos. als neg.

 

Wie funktioniert das mit Dir und dem Lesen, denn als Buchblogger hat man ja schon immer mal das Gefühl, dass man doch ein gewisses Lesepensum schaffen „MUSS“. Du hast mir zum Beispiel erzählt, dass Du langsamer lesen kannst, wenn Du Stress hast. Was bedeutet das für Deinen Lesealltag?

Oh ja, das hab ich immer noch: Also das Gefühl das ich eine bestimmte Menge schaffen „muss“! Vor allem wenn ich mir so die Statistiken anderer Blogger ansehe, die 10 / 20 oder mehr Bücher im Monat runter schletzen. Nun, ich will ja gar nicht auf diese Menge kommen, denn irgendwie find ich das auch schade wenn man so einen Buch verschleiss hat. Da hätte ich wiederum das Gefühl dem Autor und dem Buch nicht gerecht zu werden. Aber manchmal würde ich schon gerne mehr schaffen, nicht umbedingt wegen mir, sondern wegen meinen Lesern. Ich hab immer Angst das sie mein Blog dann doch langweilig finden weil ich nur 2 bis max. 5 Bücher im Monat schaffe. Ich weiss im Kopf das dies doof ist… aber wie es halt mit Gefühlen so ist, die scheren sich nicht was der Intellekt dazu meint *lach*

"Bücher die ich liebe"

„Bücher die ich liebe“

Ich lese nicht nur langsamer wenn ich Stress habe. Ich lese grundsätzlich langsamer, einfach weil ich das Wort Buchstabe für Buchstabe lesen muss. Also im Grunde wie jemand der anfängt mit dem lesen. Ich kann das nicht wie gute vielleser Worte lesen oder Texte überfliegen. Kurze Worte wie: „Ich, Du, Sie, Ihr, dort, hier“ und so weiter geht gut, je länger ein Wort wird je schwieriger und genauer muss ich lesen und wenn ein Wort zusammengesetzt ist wie Gartenlaube, Schwimmbeckenrand oder Leuchtstoffröhre muss ich meist sogar 2 oder 3 mal ansetzen bis ich es flüssig lesen kann. Was das ganze noch zusätzlich erschwert sind kleine und engstehende Schriften. All das braucht Konzentration und so schaffe ich in einer halben Stunde manchmal nicht mal 30 Seiten. Und weil das alles sehr anstrengend ist muss ich alle 1 bis 2 Stunden eine Pause einlegen, nur kurz, manchmal reichen ein par Minuten, aber da kann sich nun jeder vorstellen wie lange ich an einem Buch habe. Sei es noch so packend, ich werde es nie und nimmer schaffen das Buch an einem Tag zu lesen.

Wenn ich wirklich dazu noch gestresst bin, tja dann geht praktisch gar nichts mehr. Dann sieht man das im Blog ganz genau. Denn Legasthenie ist sehr Tagesform abhängig, bei mir auf alle Fälle. Es gibt Tage da gibt es keinen einzigen Fehler (aber auch nur dank Rechtschreibkorrektur) und dann wieder Beiträge die fast explodieren vor Fehler, die ich aber wirklich nicht sehe. Manchalm, bei einem späteren duchr schauen, wenn ich was suche, seh ich dann ein paar und schäm mich dann doch etwas und korrigiere nach. Lesen kann ich an solchen Tagen praktisch vergessen. Was natürlich auch noch Gift ist, ist Müdigkeit. Also je gestresster und müder ich bin, je mehr Fehler kommen zusammen und je weniger fallen mir auf.

 

Ich persönlich muss mir zwischendurch immer extra Notizen für eine Rezension machen, wenn ich ein Buch lese, sonst würde ich keinen Blogpost zustande bringen. Deshalb bin etwas überrascht, dass Du das nicht machst. Gleichzeitig kannst Du Dir supergut Details aus Büchern merken. Kannst Du das erklären?

Nein, um Rezensionen zu schreiben brauche ich kein Notizbuch oder der Gleichen. Denn, durch das genau lesen bleibt mir sehr viel im Kopf hängen. Vielleicht aber auch weil ich ein sehr visueller Mensch bin, und alles was ich lese gleich bildlich in meinem Kopf entsteht. Ich kann dir auch bei Büchern die ich vor über 10 Jahren und mehr gelesen haben, noch ne kurze Zusammenfassung geben *gg* Und da ich grundsätzlich eine Rezension immer gleich nach dem auslesen eines Buches schreibe, oder maximum einen Tag später, brauch ich das wirklich nicht. Ich staune immer wieder wie andere Rezis schreiben können wo die Tage oder gar Wochen dazwischen liegen.

 

Trotzdem ist jetzt auch ein Notizbuch Dein ständiger Begleiter?

Ja, ich habe seit 2 Wochen ein Notizbuch. Eine alte Agenda *gg* Die brauche ich aber eher für das Brainstorming. Da schreibe ich Ideen rein die ich habe fürs Blog oder meine Homepage die ich mal noch machen will. Ideen zu Themen, Artikel, Aktionen und so weiter oder auch für die Lesestatistik und so weiter. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer Notizzettel, die gehen aber schon mal irgendwie unter, verloren oder ich werfe ausversehen den falschen Fötzel weg. So kann mir das nun nicht mehr passieren 😉

 

 

Zum Schluss noch ein paar Fragen rund um Deinen Blog: Postest Du über bestimmt Genres oder querbeet? Arbeitest Du mit einem Redaktionsplan und gibt es regelmäßige Rubriken?

Ne, ich rezensiere eigentlich querbeet. Aber es gibt gewisse Genres die du gar nicht oder äusserst spärlich auf meinem Blog findest. Wie Chick-Lit. Irgendwie ist mir das zu oberflächlich. Sic-Fi, ich habs versucht aber es ist nicht meins, das ist ein Genre das schau ich lieber als Film. Horror, das schau ich nicht und hab bis jetzt auch keinen gelesen. Und Klassiker, vor denen hab ich Respekt. *hüstel*

Witzig das du das fragst, denn mein mann hat mich grade gestern gefragt ob ich eigentlich ein Konsept habe. Nein, hab ich nicht. Weder ein Redaktionsplan noch eine regelmässige Rubrik. Klar gibt es Themen die immer wieder auftauchen wie Apps Vorstellungen,  oder die Sonntags Diskussion und der Gleichen aber die mach ich wann ich grade Lust drauf hab oder ich was ganz besonderes gefunden habe. Auch die, die Regelmässig sein sollten wie „Freitags-Füller“, „SuB am Samstag“ oder „Gemeinsam lesen“… die kommen auch nur regelmässig wenn ich nicht arbeite, sonst lasse ich die aus. Ich will mir einfach kein Stress mehr machen, früher war das anders. Da hab ich dann auch schon mal Beiträge vorgeschrieben und dann datiert zum veröffentlichen. Oder hab mich spät Abends oder früh Morgens noch hingesetzt und noch vor meiner Abwesenheit online gestellt. Ich hab mit den Statistiken aufgehört, und bei den meisten Challenges mach ich gar nicht mehr mit. Vor einiger zeit war ich nur noch frustriert und hatte so gar kein Bock mehr zu schreiben. Das war das Zeichen für mich das ich das alles wieder viel lockerer nehmen sollte. Es ist nicht mein Beruf sondern mein Hobby, eins meiner Hobbys. Und alle brauchen einfach ihre Zeit. Und ein privatleben hab ich schliesslich auch noch, das sich manchmal nicht schert was ich geplant habe.

Die Angst Leser zu verlieren war früher sehr gross, ich wollte niemanden enttäuschen! Doch hallo!! Alexandra!! Bist du noch bei trost?! Ne, manchmal wirklich nicht *lach* Bloggen ist Spass haben an der Sache, ich verdiene nichts damit, schalte keine Werbungen und mach auch kein Geld damit. Der Lohn ist die Freude am Austausch, an manchen von Verlagen bereitgestellten Reziexemplare und das manch ein Beitrag gut ankommt bei meinen Lesern. Und… das ich jemand wie du doch tatsächlich fragt ob ich Interesse an einem Interwiev habe 😀 und sich mit meiner Thematik ernstgemeint auseinandersetzt!

 

 

*Legasthenie:

Rechnen, Schreiben und/oder Lesen fällt schwer. Das kann unterschiedliche Ursachen haben und wird nicht immer entdeckt. Dramatisch, denn viele der Schwierigkeiten können beseitigt werden, wenn es schon früh auffällt. Kinder können lernen, damit umzugehen und bekommen Hilfsmittel in die Hand, um besser lesen zu können. Aber auch Erwachsenen kann noch geholfen werden. Häufig verheimlichen sie aber ihre Schwierigkeiten, weil sie immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen haben.

Eine absolut irre Woche

Es gibt Wochen, die sind voller und ereignisreicher als andere Wochen. Letzte Woche war definitiv so. Die furchtbaren Nachrichten haben uns alle die Luft anhalten lassen. Wir sind auf Tatsachen gestoßen worden, die unfassbar, aber nicht in Worte kleidbar sind. Für den Rest der Woche hatte ich viele Pläne im Blog. Es ist der Zeitraum zu Ende gegangen, in dem ich mir vorgenommen hatte, hier zu experimentieren. Aufgrund der Nachrichten kann ich aber nicht einfach so in der Tagesordnung weiter machen. Ein fröhlich-plaudernder Stil erscheint mir unangemessen.

Deshalb möchte ich mich in aller Ruhe bedanken: Es erschien bei Madita Kohrt im FederKiel-Blog ein Interview mit mir und es gab ganz tolle Reaktionen darauf. Es gab ganz viele tolle Kommentare beim TTT (Top Ten Thursday), der sich diese Woche um Buchverfilmungen gedreht hat, und bei der Aktion „Gemeinsam Lesen„. Mit Euch macht es riesigen Spaß!

Der TTT hat mich dazu inspiriert, in der Woche nach Ostern über fünf meiner Lieblingsfilme (die mich sicher auch sehr geprägt haben) zu bloggen. Bis dahin wird es hier ein bisschen ruhiger werden. Bleibt mir treu, es gibt ab Mitte April tolle Aktionen und viele Neuigkeiten. Passt auf Euch auf, bleibt wach, aber lasst Euch nicht von den Irren dieser Welt unterkriegen.

 

Kreativität auf Knopfdruck? Das braucht Zeit.

Madita Kohrt ist eine Bloggerin, die über Schreiben, Schreibtipps und Social Media für Autoren auf dem FederKiel Blog postet. Kennengelernt haben wir uns über Twitter und weil ich ihre Arbeit sehr mag, freue ich mich sehr, dass sie Zeit gefunden hat, für ein Interview zu meinem Werkstatt-Thema* Rede und Antwort zu stehen.

 

 

Was musst Du alles unter einen Hut bringen und was sind wichtige Punkte im Tagesprogramm, die Dein Schreiben beeinflussen?

Mein Tag ist eigentlich immer vollgepackt. Hausarbeit und Einkauf wollen regelmäßig erledigt werden, mein Mann und mein 2-jähriger Sohn brauchen Aufmerksamkeit, meine Social Media Kanäle müssen täglich gepflegt werden, mein Blog braucht jede Woche neue Beiträge, ich arbeite an mehreren Romanen und einem Kinderbuch, täglich lese ich diverse Webseiten und natürlich auch Bücher, und seit Kurzem schwinge ich wieder den Bleistift zum Illustrieren.

 

Ganz grundsätzlich: planst Du Deinen Tag, Deine Woche oder einen Zeitraum oder lässt Du alles auf Dich zukommen?

Fest auf die Minute planen kann ich eigentlich kaum, mein Sohn geht nicht in die KiTa und tobt immer um mich herum.

Wenn ich feste Termine habe, bin ich im Stress, denn mein Kleiner versteht es hervorragend, mir da einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Ich plane alles grob und flexibel für etwa 4 Tage im Voraus. Dabei heißt es dann nicht „Schreiben um 8 Uhr“, sondern „Schreiben nach dem Frühstück“. Das ist zwar weniger genau, aber dafür auch weniger anfällig für Stress.

Natürlich ist Routine sehr wichtig, sonst würde ich gar nichts schaffen. Mein Tag ist allein schon dadurch unterteilt, dass morgens das Frühstück mit meinem Sohn ansteht und etwas Lesen oder Spielen, mittags das Mittagessen und der Mittagsschlaf nicht vergessen werden dürfen und abends natürlich das Abendbrot und das Zubettgeh-Ritual warten.

Meinen Tag plane ich in 4 Etappen. Vormittagszeit, Mittagsschlafzeit, Nachmittagszeit und Abendstunden. Alles, was zu tun ist, packe ich im Tagesplan in einen dieser Zeitabschnitte.

Schreiben und Zeichnen plane ich hauptsächlich zu den Zeiten ein, in denen mein Sohn schläft.

 

Wenn Du planst, was nutzt Du dabei? Hast Du To-Do-Listen, gelbe Klebezettel oder irgendwelche Hilfsmittel?

Wirklich dringende und wichtige Erledigungen schreibe ich natürlich auf eine Liste, um sie nicht zu vergessen und immer vor Augen zu haben. Eine richtige To-Do-Liste ist das allerdings nicht. To-Do-Listen funktionieren für mich nämlich nicht.

Wenn ich alles auf die To-Do-Liste packen würde, wäre sie erschlagend lang. Ich müsste sie in Themenbereiche unterteilen, hätte dann mehrere Listen. Diese Vorstellung finde ich schrecklich. Selbst wenn ich dann Prioritäten verteilen würde, wüsste ich gar nicht, wo ich zuerst anfangen soll.

Ich habe also eine kleine Liste mit den extrem wichtigen Erledigungen drauf, mit Fälligkeitsdatum dahinter. Die liegt immer neben dem PC.

Dann habe ich noch einen kleinen, länglichen Tischkalender, der pro Seite eine Woche und pro Tag ein paar Zeilen hat. Damit plane ich am liebsten. Die wichtigsten Punkte, die ich nicht aufschieben kann, kommen zuerst in die Zeilen eines Tages.

Danach dann für mich persönlich sehr wichtige Punkte, wie etwa das Schreiben.

Erst dann wird der Rest eingetragen. Und das nur, wenn Platz ist. Wenn der Platz für den Tag aufgebraucht ist, dann müssen diese Dinge warten und in eine freie Zeile an einem der späteren Tage einziehen. So kann ich sicherstellen, dass ich meine Tage nicht überlade, aber alles wirklich Wichtige trotzdem erledige.

 

Was sind Dinge, die Deine Zeitpläne durchkreuzen und wie gehst Du mit ihnen um?

Mein größter Zeitfresser und Plänedurchkreuzer ist natürlich mein Kind. Jeden Tag gibt es da mindestens eine Sache, die ich mir anders vorgestellt habe und dann umdenken muss, weil der Wirbelwind dazwischenkam. Oder die Arbeit meines Mannes. Er ist Lehrer und der Arbeitsaufwand der Dinge, die er Zuhause vorbereiten oder nachbereiten muss ist jeden Tag unterschiedlich.

Ich passe mich und meine Pläne einfach schnellstmöglich an. Es hilft ja nicht, sich zu ärgern, in den Stress hineinzusteigern oder frustriert aufzugeben und alles hinzuschmeißen. Das macht nur schlechte Laune und ändert den Ist-Zustand nun mal nicht.

Ich stelle mir dann die Frage, was wirklich wichtig ist und wo ich diese Punkte im jetzt anderen Tagesplan doch noch unterbringen kann. Es gibt immer einen Weg.

 

Schreiben braucht Kreativität: Ist die bei Dir planbar oder musst Du Freiräume schaffen, damit Du kreativ sein kannst?

Früher habe ich häufig nur dann geschrieben oder gezeichnet, wenn ich ganz meine Ruhe hatte und die Inspiration angeflogen kam. Das ist jetzt nicht mehr machbar. Ich muss nun jede Möglichkeit nutzen, um ein paar Worte auf Papier zu bringen, sonst würde ich gar nichts mehr schaffen.

Aber ich habe dadurch gemerkt: Kreativität auf Knopfdruck ist erlernbar! Es braucht nur Zeit und Gewöhnung und man muss es wirklich wollen.

Ich kann heute in fast jeder Situation schreiben. Ich kann beim Essen schreiben. Ich kann beim Kochen schreiben. Ich kann schreiben, wenn der Kinderkanal laut läuft und ich mit meinem Sohn auf dem Spielteppich sitze – Stift in der einen, Auto in der anderen Hand. Ich kann beim Spaziergang oder beim Spielen im Park schreiben. Ich kann liegend, im Dunkeln, auf dem Bett schreiben.

Das ist auch der Grund, wieso ich fast ausschließlich mit Stift und Papier schreibe. Sie sind klein, mobil und immer einsatzbereit. Alles, was ich brauche, damit mir die nächste Idee oder der nächste Satz einfällt, ist der Stift in der Hand, der Blick auf den Notizblock und der Wille, jetzt etwas zu schaffen.

 

Liest Du Bücher zu dem Thema und gibt es welche, die Du besonders empfehlen kannst?

Bücher, die mir im letzten halben Jahr bei Zeitplanung, Kreativität und meiner Sichtweise geholfen haben, waren:

„Zeit zum Schreiben“, Richard Norden

„How To Stop Time“, Derek Murphy

„Kreativität lernen – Mit sechs einfachen Kreativitätstechniken“, Madame Missou

 

 

*Mittwochs blogge ich über Werkstatt-Themen und bis Ende März gehört der Mittwoch dem Thema “Zeit“.

Illustration „Ein Buch entsteht“: Alle Rechte liegen bei Madita Kohrt http://feder-kiel.blogspot.de/.

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Thema von Anders Norén.