Anna Thur

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Schlagwort: Gastbeiträge

[Werkstatt] „Willst Du mit mir …“ Resümee zum Schreibprojekt

Genau vor einem Jahr, im November 2014, schrieben wir die ersten Sätze unserer gemeinsamen Geschichte und starteten damit ein Schreibprojekt, das uns viele Monate begleitete.

Alles begann mit der Frage von Ina an Anna: „Willst Du mit mir schreiben?“

Nun haben wir in einem Gespräch ein Resümee aus den Erfahrungen gezogen, an denen wir andere gerne teilhaben lassen möchten.

Ina: Immer mal, wenn ich abgedruckte Briefwechsel zwischen Künstlern las, war ich fasziniert davon, wie diese durch ihren Austausch inspiriert wurden, worüber sie diskutierten und stritten und wie sich ihre Art zu Schreiben im Laufe der Zeit veränderte. Anna Thur kannte ich seit einiger Zeit über Twitter. Ich hatte schon Geschichten von ihr gelesen und redigiert und immer wieder merkte ich danach, dass etwas ihres Erzähltons in mir nachschwang. Ich stellte mir die Frage, ob es klappen könnte, gemeinsam eine Geschichte zu schreiben. Also fragte ich sie.

Anna: Wenn ich an die Situation denke, muss ich heute noch schmunzeln. Auf der einen Seite hatte ich ein supergutes Gefühl bei Ina, aber zu dem Zeitpunkt war sie ohne ein Gesicht und mit dem Namen Yeeaaaahhrr unterwegs. Das machte es ‚spannend‘ …

Ina: Ach ja, das war noch meine Findungsphase auf Twitter. Anna hat später mal gesagt, dass sie ein gutes Bauchgefühl gehabt hätte und ich finde es total schön, dass sie dem gefolgt ist. Mir hat es auch wieder gezeigt, dass man trotz der weitverbreiteten Anonymität in den Sozialen Medien neue Leute kennenlernen kann, man braucht halt etwas Mut und Geduld.

 

Was gab es für Überlegungen und wer schrieb den Anfang?

Anna: Nach dem Beschluss, dass wir zusammen schreiben, kam erst mal die große Frage: Wie jetzt eigentlich? Wie geht das, was brauchen wir? Wir haben uns öfter geschrieben, uns herangetastet und wussten trotzdem erst nicht so richtig, wie wir anfangen sollten.

Ina: Wir stellten zunächst einige Regeln auf, zum Beispiel, dass jede bei ihrem Part minimal einen Absatz, und maximal eine Seite schreiben sollte.

Anna: In einem Worddokument haben wir uns ausgetauscht, Fragen formuliert, Dinge, wie zum Beispiel die Regeln zur Abschnittslänge festgehalten. Ich hab dann einfach folgende Fakten in den Raum geworfen: Renate, Hauptbahnhof und Hamburg, weil ich Hamburg so mag und Ina hat den Anfang geschrieben, da wir unbedingt loslegen wollten.

Ina: Um ein Ziel vor Augen zu haben, setzten wir uns als Schlusstermin Ende Februar 2015. Das Schreiben machte aber solchen Spaß, dass wir die Deadline verlängerten. Es wurde Sommer.

 

Was passierte während des Schreibens? Was war schwierig? Was lief gut?

Ina: Ich weiß noch, dass ich es zu Beginn sehr schwierig fand, von meinem eigenen Plan für die Geschichte wegzukommen. Ich hatte einen starken Fokus auf die Wetten gelegt und hielt diese für den roten Faden der Geschichte, somit wollte ich den auch immer wieder aufgreifen. Schon nach einigen Absätzen lief Renate mir jedoch regelrecht davon und wurde in ein ganz neues Abenteuer verwickelt.

Anna: Ich merkte auch, dass wir in unterschiedliche Richtungen strebten. Fand das aber sehr spannend, weil wir ja am Anfang extra beschlossen hatten, dass wir das offen halten. Schwieriger fand ich, in einen Schreibrhythmus reinzukommen, der Text wird deshalb auch erst später flüssiger und es wurde immer einfacher weiterzuschreiben.

Ina: Für mich war es gut, eine Deadline für den Schluss zu haben. Denn so habe ich mich immer wieder gedanklich mit dem Text beschäftigt. Genauso hilfreich war es jedoch, dass wir uns für die einzelnen Abschnitte die Zeit nehmen konnten, die wir brauchten. Ich schrieb sofort weiter, wenn ich direkt in die Szene eintauchen konnte. Wenn ich jedoch die Verantwortung hatte einen Ortswechsel durchzuführen oder eine neue Figur hinzugekommen war, brauchte ich länger.

Anna: Stimmt, so eine Deadline hat echt Vorteile, genauso, wie den Umfang der Abschnitte einzugrenzen. Das nächste Mal würde ich den dramaturgischen Rahmen enger stecken, auch wenn es einschränkt. Dadurch wird die Nacharbeit reduziert und die ist letztlich unsere große Baustelle geworden …

Ina: Uns fehlte ja zu Beginn die gemeinsame Fokussierung auf eine bestimmte Message. Zudem hatten wir nicht festgelegt, ob und wie sich Renate durch die neuen Menschen um sich herum verändert. Das hat sich erst in den letzten beiden Abschnitten herauskristallisiert. Wir müssten nun die ganze Geschichte aufarbeiten, mit der Endaussage im Kopf.

 

Was geschah, als die Geschichte zu Ende war?

Anna: Zuerst wollte ich gar nicht mehr aufhören, weil die Zusammenarbeit solchen Spaß gemacht hat. Aber wir waren an einen Punkt gekommen, an dem wir etwas an dem Ablauf der Zusammenarbeit hätten verändern müssen. Ohne gemeinsame Abstimmung hätten wir nicht mehr weiterschreiben können, vor allem nicht in dieser Figurenkonstellation. Wir vereinbarten, dass diejenige das Ende schreiben sollte, die es in dem Moment für die Figur am passendsten hielt.

Ina: Ohne es besprochen zu haben, wollten wir beide, dass es für Renate gut ausgeht. Ich hoffe, das ist uns gelungen. Ich würde so ein Schreibprojekt auf jeden Fall wieder machen, allerdings mit konkreteren Überlegungen zu den Hauptfiguren und der Botschaft, so wie Anna es auch schon angesprochen hat. Momentan haben wir leider nicht die Zeit, die Geschichte komplett zu überarbeiten. Wir wollten sie jedoch gern in irgendeiner Form mit anderen teilen und da kam uns die Idee mit dem schrittweise veröffentlichen auf unseren Blogs.

Anna: Und die positiven Reaktionen auf das Veröffentlichen auf unseren Blogs haben uns gezeigt, dass es eine gute Entscheidung war. Obwohl die Geschichte natürlich an der einen oder anderen Stelle holpert und wir ein paar inhaltliche Unstimmigkeiten drin haben, mögen die Leute es, die Geschichte zu lesen und mehr von unserer Arbeit zu erfahren.

Ina: Ich habe bei dieser Art der Zusammenarbeit viel gelernt. Zum Beispiel habe ich mich sehr intensiv auf die Figur eingelassen, weil ich nachempfinden wollte, warum Anna sie nun in dieser Weise handeln lässt oder warum sie plötzlich einen neuen Weg für sie vorgesehen hat. Es war auch mal ganz interessant, nicht komplett allein für die Figuren verantwortlich zu sein, sondern Anna indirekt sagen zu können: so, jetzt übernimm du bitte.

Anna: Das ging mir auch so und da hatten wir wirklich Glück miteinander, dass wir uns vertrauen konnten und unsere Zusammenarbeit in diesem Jahr auch über das Projekt hinaus so gut gewachsen ist. Das ist etwas Besonderes. Danke Dir Ina dafür und für „Willst Du mit mir schreiben?“.

Ina: Das kann ich nur zurückgeben. Na dann, auf ein Neues?

Anna: Ina, wie wäre es, wenn Du das „?“ am Ende Deines letzten Satzes in „!“ änderst?

Ina: Gerne!

 

Wie findet Ihr Projekte dieser Art und wie hat Euch die Geschichte gefallen? Wir freuen uns sehr über Eure Kommentare dazu!

 

Die komplette Geschichte könnt Ihr übrigens hier nachlesen: http://www.annathur.de/werkstatt-willst-du-mit-mir-die-geschichte/

[Werkstatt] Zwei Autorinnen, eine Geschichte – ein Experiment

„Willst Du mit mir schreiben?“ – Mit der Frage fing es an und wir, Ina Steg und ich, haben uns in das Abenteuer gestürzt, zusammen eine Geschichte zu schreiben. Am Anfang ohne eine Idee, wie das eigentlich gehen soll, wenn man sich nicht kennt, hunderte Kilometer zwischen einem liegen und mit nichts mehr als einfach nur einem freundschaftlichen Gefühl füreinander, was durch Twitter gewachsen war. Wir haben einfach losgelegt und dann nach und nach den Rahmen gesteckt.


Am Ende steht etwas, was wir beide sehr mögen und in unseren Blogs gerne zugänglich machen möchten. Ab dem 01. November, dem Startschuss des National Novel Writing Months (#NaNoWriMo), wird für 11 Tage jeden Tag ein Stück mehr des Entstandenen veröffentlicht.

So wie der Text gewachsen ist, könnt ihr ihn erleben, mitlesen und weiterfiebern was als nächstes passieren wird. Ihr seid dann mittendrin in der Entstehungsgeschichte und erlebt somit, was hinter den (Schreib-)Kulissen passiert, lange bevor ein Text veröffentlicht wird. Und ganz am Ende verraten wir Euch mehr darüber, wie wir zusammengearbeitet haben und wie es mit der Geschichte weiter geht.

Zeitmanagement ist (un)möglich

// Gastkommentar von Kerstin Hohlfeld

 

Meine Aufgaben gehe ich in der Regel recht planvoll an.

Ungefähr so sieht das aus:

Bis Ende Juli möchte, bzw. muss ich ein 300-Seiten-Manuskript fertiggestellt haben. Das sind von jetzt an genau 15 Wochen, also 105 Tage. Mal angenommen, ich würde jeden Tag am Manuskript arbeiten, müsste ich pro Arbeitseinsatz 2,8 Seiten schreiben, um das Pensum zu schaffen.

Klingt locker. Ist echt gut machbar.

Na ja, vielleicht schreibe ich nicht jeden Tag, man muss ja auch mal das Wochenende genießen oder in den Ferien ein paar nette Tage mit den Kindern verbringen.

Kommt noch ein Kurztrip dazwischen, ein Besuch bei Verwandten, eine Familienfeier. Im Moment geht es mir nicht gut, schließlich grassiert gerade die Grippe. Ach ja, eine Freundin hat demnächst Geburtstag und lädt zum Frühstück ein.

Kinder wie die Zeit vergeht!

Und dann?

Auf einmal sind es nur noch 7 Wochen bis zur Abgabe, aber leider noch 200 Seiten, die zu schreiben sind.

Von jetzt an wird aber rangeklotzt, nicht nach rechts und links geguckt. Jawoll!

Am Ende, man kann es schon ahnen, schreibe ich 100 Seiten in 14 Tagen, sodass ich nach Abgabe des Manuskripts erst einmal eine Woche lang halb besinnungslos herumschleiche und mir schwöre, es beim nächsten Mal wirklich endlich besser zu machen.

Warum hab ich eigentlich so ein verdammt mieses Zeitmanagement?

Eine richtig zufriedenstellende Antwort auf diese Frage habe ich nicht.

Allerdings beobachte ich, dass die Leute in meiner Umgebung mit ihren Pflichten ganz ähnlich umgehen. Da wird gewartet, bis das Wasser an der Unterlippe steht und dann erst in einem Kraftakt die Aufgabe bewältig. Erstaunlicherweise meist mit überzeugendem Ergebnis.

Vielleicht brauchen wir einfach ein wenig Druck, um den Willen und die Konzentration aufzubringen, um uns richtig zu sammeln und voller Energie loszulegen.

Muss natürlich jeder selbst wissen, ob das die richtige Arbeitsweise ist. Es funktioniert zwar, aber es macht nicht unbedingt Spaß, wenn der Druck so anwächst.

Also, ich werde beim nächsten Roman (dem neunten) auf jeden Fall rechtzeitig anfangen! Kann allerdings sein, dass dann Sommerferien sind und mir erst einmal ein klitzekleiner Urlaub dazwischenkommt.

 

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Thema von Anders Norén.