Anna Thur

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[Speed Dating #1] mit 7 Büchern: Ein Versuch

Ein Nachmittag und Speed Dating mit Büchern in der Bibliothek: Nach Nickolas Butler und Marina Keegan, die mich in diesem Jahr echt schon heftig gerockt haben, ist es schwer, ein neues Buch zu finden. Die Bibo soll helfen: Inspirieren. Also zuerst ab zur Bestseller-Ecke mit Neuerscheinungen, die am Bibliotheksmaßstab gemessen sehr beliebt sind. Dort suche ich „Das Juwel“ raus und greife mir noch bei den Erwachsenen-Graphic-Novels Kafka und Markus Heitz.
Rahmen gesetzt: Maximal eine halbe Stunde hat das Buch Zeit, um mich von sich zu überzeugen. Wenn es zwischen uns läuft, gibt es ein zweites Date, vielleicht sogar ein Drittes.

1. Date: Das Juwel

 Awy Ewing „Das Juwel – Die Gabe“, 16,99 €, www.fischerverlage.de

Aufgefallen ist es mir, weil es so schön bunt zwischen den anderen Büchern geleuchtet hat. Es erinnert an Selection (das ich gerne gelesen habe) und auch der Klappentext erinnert an Selection. Der Innenumschlag ist schön, gibt einen Überblick über die Welt, in der sich das Buch bewegt, unfreiwillig aber auch schon darüber, was den Leser erwarten wird. Es werden die Hauptfiguren vorgestellt, der Aufbau der Gesellschaft ist illustriert, die Historie der Welt ist abgerissen und es gibt einen Städteplan, eine Landkarte quasi. Man sieht, da ist eine Mauer, jede Menge Grenzen. Und durch ähnliche Bücher, die man schon kennt, ahnt man viel von dem, was kommen wird.

Um 15.25 Uhr fange ich an zu lesen. 1. Satz: „Heute ist mein letzter Tag als Violet Lasting.“ Die Hauptfigur (oh welch Überraschung, sie ist rebellisch und ANDERS) steht aus dem Bett auf und erinnert an den Anfang von „Die Tribute von Panem“. Es gibt jede Menge Stereotype und ebensolche Sätze „‘Ich dachte, wir wären dir egal.‘ Ihre Stimme klingt erstickt. ‚Ich dachte, du hättest mich für immer verlassen.‘“ 15.33 Uhr schaue ich das erste Mal auf die Uhr, weil die Figuren nerven und ich permanent das Gefühl habe, zwischen in Selection und Panem zu sein, 15.44 Uhr schaue ich wieder auf die Uhr und finde die beklemmende Atmosphäre des Buches passt irgendwie nicht zu dem ganzen Zucker, der zwischen den Zeilen klebt. Dann will ich doch weiterlesen, breche zeitbedingt auf Seite 80 ab und gebe dem Buch die Chance zu einem späteren zweiten Date (bei dem ich dann übrigens bis Seite 111 lese, dann weiß ich, was ich wissen wollte: Wie die Autorin sich eine moderne Sklavenauktion vorstellt). Nette Unterhaltung in einem historisch/archaisch angehauchten leichten SF-Ambiente.

 

2. Kafka „Das Schloss“ als Graphic Novel

  Jaromír 99, David Zane Mairowitz „Franz Kafka – Das Schloss“ 22,00 €, www.knesebeck-verlag.de
Vorab: Zu Kafka habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. Es gibt Geschichten von ihm, die ich sehr mag. Eine Inszenierung von „Bericht an eine Akademie“ hat mich mal schwer beeindruckt, aber ein großer Fan bin ich nicht.

Mich hat der Einband neugierig gemacht. Kafka als Graphic Novel, da will ich reinschauen. Der 1. Satz hat irgendetwas mit „unvollendetes Werk“ zu tun, ich überfliege die Einleitung noch etwas weiter. Aber eine unvollendete Geschichte will ich eigentlich nicht lesen und auch die Bilder auf den nächsten Seiten, die ich anteste, überzeugen nicht. Interessant gemacht: Holzschnittartig. Insgesamt zu düster. Der Zeichenstil wirkt auf mich auf Dauer erdrückend, zu viel.
Ich schau nicht mal auf die Uhr und lege das Buch weg.

 

3. Markus Heitz „Justifiers: Collector, Die Obhut“

 Markus Heitz „Justifiers: Collector, Die Obhut“, 12,99 €, www.droemer-knaur.de

Mit Markus Heitz wird es nicht viel besser. Der Autor steht schon länger auf meiner Wunschliste. Die Bilder sind auf den ersten Blick ganz lustig. Eine Mischung aus abstrakt und bunt. Auf Seite fünf dann aber ist irgendwas mit Sex. Es wird „gebumst“, wer sagt denn bitte heute noch so dazu??? Und dann werden die Figuren immer hässlicher. Nicht meins.

 

4. Tess Gerritsen „Der Schneeleopard“

  Tess Gerritsen „Der Schneeleopard – Ein Rizzoli- & Isles-Thriller“, 19,99 €, www.randomhouse.de

Ja, ich bin ein Genrespringer und ab und an lese ich sehr gerne Thriller. Tess Gerritsen war bisher noch nicht darunter. Aber Klappentext und Innenumschlag klingen gut. Könnte was werden mit uns. „In der Wildnis lauert das Böse.“ Der erste Satz: „ Im schrägen Licht des Tagesanbruchs entdecke ich ihn, die Konturen fein wie ein Wasserzeichen, eingeprägt in die nackte Erde.“ Mag ich. (Ich hoffe, ich hab es richtig abgeschrieben, meine Schrift war irgendwie nicht die Beste.)
Der Schreibstil bleibt gut, auch wenn er nicht ganz einfach ist und Schnelllesetechniken hier nicht so gut funktionieren. Das stört nicht. Ich lese mich fest. Das erste Kapitel endet mit einem Schrei und ich will unbedingt wissen, was ist da los. Leider gibt es einen Sprung, waren wir gerade noch in der Wildnis von Botswana, sind wir plötzlich in Boston. Zum Glück will ich unbedingt wissen, wie es in Botswana weiter ging, überspringe die nächsten Kapitel, bis es wieder in Botswana weiter geht. Sehr spannend, am Ende von Kapitel 5 möchte ich eigentlich doch unbedingt weiterlesen, sehe aber ein, dass sich die Autorin wahrscheinlich was dabei gedacht hat, den Plot mit Boston zu verknüpfen und gehe zurück zu Kapitel 2 – dahin wo man eigentlich weitergelesen hätte. Es ist ein Mord passiert. Total eklig. Will nicht mehr.

 

5. Isabel Allende „Der japanische Liebhaber“

 Isabel Allende „Der japanische Liebhaber“, 21,95 €, www.suhrkamp.de

„Der japanische Liebhaber“ wird leider auch nur eine Einminuten-Begegnung. Allende gehört zu meinen Jugendlieben. In den 1990ern hatte ich eine lange und starke Vorliebe für lateinamerikanische Literatur. Für Mario Vargas Llosa, Gabriel Garcia Marquez, Jorge Amado und eben, damit hatte alles angefangen: Isabel Allende. Und nachdem Tess und ich nicht warmgeworden sind, gebe ich Isabell die Chance. Den Klappentext hatte ich gar nicht angeschaut, sie hatte einen Vertrauensvorschuss. Jetzt lese ich ihn: 1. Schmerz, 2. Liebesbriefe, 3. „Es liegt an uns, ob die Liebe ewig währt.“ Ähm. Nö.

Zur letzten Dating-Runde kommen zwei Bücher mit in die Leseecke: PIL und Elfen. PIL steht schon lange auf meiner Wunschliste. Die Mischung aus Postpunk-Feeling und Erinnerungen an die Band PIL zusammen mit Manga-Style und einem Großvater reizt mich. „Elfen“ ist eine Spontanentscheidung wegen Cover und Verlag.

 

6. Mari Yamazaki „PIL“

 Mari Yamazaki „PIL“, 16,90 €, www.carlsen.de

Auf PIL habe ich mehr Lust, lese es an und will es fast spontan mit nach Hause nehmen. Doch die Papierqualität und die Buchaufmachung sind ganz anders, als ich es erwartet habe. Die Geschichte selber kriegt mich nicht und dann mache ich einen „Fehler“, die Elfen liegen da so einladend neben mir, ich will nur einen kurzen Blick darauf werfen und PIL einfach zu Hause zu Ende lesen. So weit wird es nicht mehr kommen.

 

7. And the Winner is: Jean-Luc Istin „Elfen Band 1: Der Kristall der Blauelfen“

An den Elfen lese ich mich so richtig fest. Nach ein paar Seiten nehme ich zwar noch mal PIL in die Hand, erkenne aber, dass PIL und ich so gar nicht zusammenpassen und widme mich voll und ganz dem Splitterprodukt.

Erster Satz: „Unsterblich bedeutet nicht unverwundbar.“
Es ist Liebe auf den ersten Blick. Die Uhr ist vergessen. Das Buch ist rundherum einfach toll. Es ist spät geworden, ich gehe glücklich alleine nach Hause und freue mich schon auf das nächste Mal mit den Elfen. Ihr solltet sie unbedingt kennenlernen!

Splitter zum Buch:

Die Blauelfen von Ennlya, einer kleinen Hafenstad in Nodrënn, wurden alle massakriert! Der Blauelf Lanawyn und Turin, ein ruhmreicher Mensch, stoßen auf Spuren, die zu einem Stamm von Yrlanern führen – zu den Nordmenschen, die die Elfen hassen. In der Inselstadt Elsemur hat die junge Blauelfin Vaalann den Test der Wassersinne bestanden. Die Mutter Prophetin sieht in ihrer nahen Zukunft ein Geschehnis um den heiligen Kristall. »Wer den Kristall kontrolliert, kontrolliert den Ozean.« Die Aussage erregt großes Aufsehen und man munkelt, Vaalann könnte die Erwählte sein, auf die die Blauelfen seit Generationen warten… Eine Geschichte zwischen Spannung und Spiritualität in einer Welt der Träume, der Spiegelungen und Täuschungen!

Das Serien-Konzept

Die fünf Abenteuer spielen in einer fest umrissenen Welt und stellen bestimmte Aspekte dieses Universums dar. Jedes Album ist in sich abgeschlossen, aber gemeinsam bilden sie ein Ganzes. Elfen ist die erste Konzept-Serie im Verlag Soleil, entwickelt von Jean-Luc Istin und Nicolas Jarry. Die Autoren haben sich für jedes Album ein anderes Volk ausgedacht, das zwar einen eigenen Ort auf der Landkarte hat, aber sich mit den anderen Völkern die Welt teilt.

Die Szenaristen sind Fantasy-Experten

Die Zeichner gehören alle der semi-realistischen Schule an. Die Entscheidung, mit mehreren Szenaristen zu arbeiten, lag für den Schöpfer des Projekts, Jean-Luc Istin, nahe. Alle bewegen sich in demselben Universum, doch jeder ist in seinem Bereich frei, und wer Lust hat, kann Brücken zu den anderen Reichen schlagen. Doch eins haben alle gemeinsam: sie sind Fantasy-Autoren. Sie kennen sich aus in diesen Welten, ihre vielfältigen Erfahrungen mit dem Genre machen die Serie besonders interessant.

Pressestimmen:

„Die Welt wird zwar selten mit Worten beschrieben, doch ist das mit Duartes beeindruckendem Zeichenstil auch gar nicht nötig. Mit klaren Linien erweckt er Eisformationen, schwimmende Städte und riesige Hallen zum Leben. (…) “Der Kristall der Blauelfen” ein toller erster Band, der die Welt gut in Szene setzt.“
– Florian Born, PHANWELTEN

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