Holly2_9783442482023_CoverErinnern wir uns kurz: Im ersten Teil der Serie verschwindet die Chefredakteurin, alles dreht sich um sie, aber es nicht klar, was aus ihr geworden ist. Man hofft nun auf den zweiten Teil, will endlich wissen, wieso die Frau (freiwillig) spurlos verschwunden ist. Und dann: Annika Stassen wird erst im letzten Drittel des zweiten Bandes Thema. Da bekommt plötzlich ihre Nachfolgerin bzw. die Ersatzchefredakteurin einen Anruf vom Außenminister. Das Sekunden-Telefonat bleibt im Raum stehen, keine Erklärung, nichts. Erst im vorletzten Kapitel auf Seite 142 (von 157!) taucht Annika Stassen persönlich auf. Dieses Kapitel ist präzise und klar geschrieben, ganz anders als andere Teile des Buches. Davon würde ich mir mehr wünschen. Und in diesem Kapitel wird der Spannungsbogen aus dem ersten Holly-Teil aufgegriffen, um den Leser oder die Leserin wieder mit einem Haufen unbeantworteter Fragen zurückzulassen.

Es ist also klar: Im zweiten Teil geht es um etwas ganz anderes, Annika Stassen ist nicht mehr so wichtig. Sie wurde ja auch in der Holly-Redaktion ausgetauscht.

Nun ist aber eine zweite Person verschwunden, die etwas mit den „gestohlenen Tagebüchern“ zu tun hat, um die es sich laut Titel dreht. Die Tagebücher tauchen auf Seite 61 von 157 auf. Da werden sie geklaut. Bis Seite 98 nicht mehr erwähnt und auch dann nur angerissen, ohne Konsequenzen, ohne Zusammenhang.

Das ist etwas, was mich schon im ersten Teil sehr gestört hat. Es ist ein nettes Konzept mit netten Ideen, die lose wie auf eine Schnur gefädelt sind, in den wenigsten Fällen aber zusammenhängen. Beim ersten Teil konnte das der Tatsache geschuldet sein, dass wir die „Holly-Welt“ erst noch kennenlernen mussten. Aber es scheint der Stil der Bücher zu sein.

Seifenopern sind nicht zu unterschätzen

Stimmen, die den Soap-Charakter dafür verantwortlich machen, unterschätzen meines Erachtens Seifenopern. Serien Folgen einem strikten dramaturgischen Gerüst und sind sorgfältig ausgearbeitet. Dazu gehört, dass eine Folge einen eigenen Spannungsbogen hat, der durchaus unabhängig vom übergreifenden Spannungsbogen der Serie sein kann. Dazu gehört aber auch, dass es in jeder Folge einen Haupt- und eine übersichtliche Zahl von klaren Nebenplots gibt. Nachdem Holly als Soap und Reihe angekündigt wurde, habe ich genau dieses dramaturgische Grundgerüst erwartet.

Ich habe zwar weiterhin das Gefühl, dass es sehr gute Ideen in der Serie gibt und sich das Ganze durchaus entwickeln könnte. Aber ich bin nicht wirklich zufrieden mit dem Verlauf, es werden mir zu viele Fragen aufgeworfen und zu wenige beantwortet. Die Passagen, die nicht wirklich wichtig für die Handlung sind und die man getrost überlesen kann, verschlimmern dieses Gefühl.

An einer Stelle habe ich sogar zwei Seiten überlesen, weil sie nicht relevant waren. Bei einem Buch mit 157 Seiten fällt das auf.

Auf dem Cover wird versprochen, dass es um „Liebe, Rache und ein Doppelleben“ geht. Liebe (mehr im körperlichen als im idealistischen Sinn) gibt es ganz soapig an allen Ecken und Enden. Die Rache lässt sich erahnen. Wer oder was mit dem Doppelleben gemeint ist, bleibt mysteriös. Eher gibt es hier zahlreiche Doppelleben.

Trotzdem muss man dem zweiten Teil lassen, dass der Stil sich verbessert hat und man schon neugierig auf das ist, was folgt. Die Kamera-Perspektiven werden genauer umgesetzt und irritieren nicht mehr so wie im ersten Band.

Das Buch ist gute Unterhaltung und ich bleibe weiterhin optimistisch, was die Geschichte betrifft. Allerdings überlege ich, die weiteren Bände komplett zu lesen.

Klappentext

Holly ist die Frauenzeitschrift in Deutschland. Holly sagt, was Mode ist, und bestimmt die Trends. Jeden Monat arbeiten viele Frauen (und ein paar Männer) an der nächsten Ausgabe des Magazins. Sie sind jung, alt, dick, dünn, It-Girls, Intellektuelle, Bitches und Muttis. Sie wollen Karriere machen, Kinder kriegen, aufregenden Sex, die Welt verbessern und neue Schuhe. Machtkämpfe und Intrigen stehen in der Redaktion auf der Tagesordnung – Journalisten befehden sich, Freundschaften werden geknüpft, und verbotene Affären könnten jeden Moment ans Licht kommen. Doch seit Wochen beschäftigt die Holly-Redaktion nur ein Thema: Wieso und wohin ist die illustre Chefredakteurin Annika Stassen verschwunden? Wie soll es jetzt weitergehen? Ausgerechnet Christa von Hutten wurde zu Holly zurückgebeten. Sie ist mit einem der berühmtesten, schillerndsten Fotografen der Welt verheiratet, alles an ihr ist Glamour – die Partys, die Affären, die Drogen – und nun soll sie die Chefredaktion übernehmen. Sie war gescheitert mit ihren großen Plänen, sie hatte sich verstrickt in ihren eigenen Intrigen. Man hatte sie weggeschickt wie einen räudigen Hund, und sie fühlte sich von allen verraten. Bricht jetzt die Zeit der Rache an? Und es kommt noch schlimmer: Stassens Sekretärin hat Tagebuch geführt – dessen brisanter Inhalt: Intrigen, Affären, Feindschaften, Aufstiege und Abstiege, Nettes und Schmutziges. Die Bücher fallen in die Hände eines Mannes, der dieses Wissen für sich zu nutzen gedenkt …

Das Must-have des Jahres: Eine Buchserie, die süchtig macht. 1 Staffel, 6 Bücher, jeden Monat ein neuer Band.

Fakten

Anna Friedrich: „Holly. Die gestohlenen Tagebücher: März, Band 2“

Taschenbuch 5,- € // E-Book 3,99 €

Goldmann-Verlag

ISBN 978-3442482023

 

Die Rezension wurde durch den Verlag ermöglicht.