Sofort festgelesen – dieses Buch zieht dich mit seinen abwechslungsreich gestalteten Abschnitten hinaus in die Welt, in seine Buchwelt. Bilder, Textabschnitte und Randnotizen machen es kurzweilig, dem Autoren durch seine sehr fluffig-salopp erzählten Trips zu folgen. Zwischendurch kommt zwar kurz die Frage auf, ob der Stil zwischen Bullshit-Bingo, versteckten Coaching-Tipps und Oohhhmmm nicht doch zu viel werden könnte. Aber Krengel bekommt immer wieder die Kurve. Klar, muss man den Stil mögen. Auf eine öffentlich publizierte Werbung für die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, antwortet er:

„Das ist natürlich Bullshit. Dafür ein umso besseres Beispiel für schlechtes Stadtmarketing. Die Superlative und das Marketing-Bla-Bla sind durchschaubar und unwirklich. Sie rufen bestenfalls ein belustigtes Kopfschütteln hervor, wenn sie nicht einfach nur nerven. Die Wahrheit ist: Ulan Bator ist die kälteste Hauptstadt der Welt. Wahrscheinlich auch die hässlichste. Genau das macht sie so faszinierend.

Die Stadt wurde lange zwischen Sowjets und Chinesen hin- und hergeschubst bis sie schließlich in der Bedeutungslosigkeit versank.“ (S. 32)

 

Offen gestanden sind die Coaching-Anklänge für Reisewillige, die es zwischendurch gut dosiert gibt, so gar nicht meins. Aber wer das mag, für den ist es toll – gute Infos zum selbst umsetzen lassen sich daraus ziehen. Das ist der im Titel versprochene Arschtritt.

Und im hinteren Teil des Buches, wenn man vielleicht des Stils schon müde sein könnte, gibt es mehr längere Texte, sogenannten Fließtext. Das kommt sehr gut.

Besonders gefallen hat mir, abgesehen von der sehr persönlichen Krengel-Sprache, das, was an vertraulichen Details auftaucht. Sie sind nie zu intim, schaffen aber eine angenehme Atmosphäre. Zum Beispiel dann, als er seine Freundin nach sieben Monaten wieder trifft, sie sich erst freuen und dann aber feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, den Faden wieder aufzunehmen. Solche Momente sind sehr schön und warm erzählt, ohne zu dick aufzutragen.

Auf jeden Fall ist das ein Buch, was man immer mal wieder zur Hand nehmen kann. In einem Stück ist es eher schwer zu lesen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es ein schönes Geschenk für Freunde ist, die eigentlich schon die Hummeln im Allerwertesten haben und noch einen kleinen Schubs brauchen …

 

Klappentext:

Wie fühlt es sich an, loszulassen und das Leben zu Leben, das man leben möchte? Martin Krengel nutzt seine Weltreise, um mit anderen Lebensstilen und Arbeitsformen zu experimentieren. Er betreibt Anti-Zeitmanagement auf Fiji, macht eine Digital-Detox-Diät auf Tahiti und zieht als digitaler Nomade durch Südamerika.

In einem Mix aus Mega-Metropolen und entlegensten Orten erlebt er skurrile Abenteuer: Er übernachtet in einem Irrenhaus in der Südsee, kuriert seine Höhenangst durch einen Sprung aus 4.500 Metern, wird von einem Delfin im Amazonas verprügelt und entgeht nur knapp einer Prostata-Massage in Thailand.

+++++ Krengels spitzfindiger und facettenreicher Bericht zeigt: Reisen bewegt. Beine UND Kopf. Reisen fördert und fordert: das Loslassen, den Umgang mit Unerwartetem, mit zu vielen Menschen, mit zu wenigen Menschen, und der Unsicherheit darüber, welcher Schritt der nächste ist, wenn einem die ganze Welt offen steht.

+++++ Das Buch ist eine Einladung. Zum Loslassen und Sich-selbst-auf-die-Schliche-kommen. Zum Sich-einlassen auf das Neue und Unerwartete. Ein Wachrüttler und Reise-ver-führer mit viel Inspiration zum Aufraffen und Nachmachen. Ein Plädoyer für Freiheit und den Mut, seinen eigenen Träumen zu trauen.

 

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