Das Gefühl, das ein ganz besonderes Buch hinterlässt, ist schwer zu toppen. Bis zu dem Moment, wo es passiert, können Jahre vergehen und du glaubst fast nicht mehr, dass es so etwas noch einmal geben kann.

„Generation X“ von Douglas Coupland ließ sich lange nicht von der emotionalen Pole-Position drängen. Es zu finden, zu entdecken, zu leben und zu lieben, zusammen mit meinem besten Freund, Anfang der 1990er Jahre, das Gefühl blieb lange sehr groß. Die Erinnerung an diese schwermütige Leichtigkeit, an die Hitze die aus den Seiten des Buchs aufstieg, wenn sie in der Wüste waren. An den Durst, den Hunger, das Gefühl von Menschlichkeit. Gut und schlecht zugleich. Verwirrend. Lange lebendig.

Seitdem sind viele Bücher gekommen und gegangen. Ein paar wenige konnten mein Herz berühren, vielleicht sogar klauen. Aber dieses Gefühl gab es so nicht wieder. Bis heute. „Shotgun Lovesongs“ lässt dich genau diese unerträglich leichte Schwermut fühlen. Dass wir Mensch sind, furchtbar, grausam, gefühlvoll in allen Tönen und am Ende doch liebenswert. Es hat ein gutes Ende, auch wenn es nicht happy ist. Es ist das beste Ende, das dieses Buch haben kann. Und auf dem Weg bis dorthin gleiten wir durch die Gedanken dieser Freunde, durch die Jahreszeiten, durch den Schmerz von Liebe und das Glück von Familie. Du fragst dich, wie viel Geheimnis darf es geben. Fragst dich zum dreimillionsten Mal in deinem Leben, was verdammt noch mal Liebe ist. Und du findest keine Antwort. Nur eine Idee davon, was Freundschaft sein kann. Was Zuneigung sein kann. Du findest Vergebung, ohne den ganzen christlichen Schnickschnack, sondern das, warum es sie gibt und geben muss. Und so steigt Wärme aus diesen Seiten empor.

 

„Das alles war es wert, jeder einzelne Moment. Jeder Streit, all die Jahre kindischen Herumexperimentierens, der gelegentliche Schmerz und Kummer, das immer leere Konto all die gebrauchten, uralten Wagen, mit denen wir durch die Gegend fuhren. So lange mit einem anderen Menschen gelebt zu haben, und gesehen zu haben, wie er sich verändert, wie er innerlich wächst. Zu sehen, wie er ein noch anständigerer und geduldigerer, ein noch stärkerer und fähigerer Mensch wird …“ Seite 380f.

 

Handwerklich ist es auch noch 1 A. Die Sprache hat die Eingängigkeit und Qualität von einem Bestseller und trotzdem die Tiefe von Literatur. Die Charaktere sind nicht einfach nur Figuren die wie zu einem Zweck herumgeschoben scheinen. Sie benehmen sich kacke, sind kaputt, irrational, sinnlich, verschroben und gleichzeitig schön. Wahnsinn, was Nickolas Butler da geschaffen hat.

 

„Na, Jungs“, sagte Cecil. „Da habt ihr’s. Zwei eurer besten Freunde verheiraten sich miteinander. Wenn ihr mich fragt, dann ist das die allerbeste Methode. Heirate deine beste Freundin. Denn eins kann ich euch sagen, mit dem Sex wird’s irgendwann vorbei sein, glaubt mir, und dann habt ihr da ’nen anderen Menschen an der Backe und starrt euch nur noch an. Da sucht man sich doch lieber jemanden, mit dem man sich wenigstens gut unterhalten kann. Und dem wirklich was an einem liegt.“ Seite 398

 

Klappentext

Fünf Freunde aus einer Kleinstadt im Norden der USA. Durchs Schicksal auseinandergetrieben, lebt in allen die Sehnsucht nach der Nähe, die sie einst verband. Ein sentimentaler, kraftvoller Roman, der vielstimmig von den großen Themen Freundschaft, Heimat und Liebe erzählt.

»Nickolas Butler hat mir mit seiner selten zu findenden Ehrlichkeit und einer wunderschönen, unaufgeregten Liebesgeschichte das Herz gebrochen.«
Matthew Quick, Autor von »Silver Linings«

»Nickolas Butler hat ein Buch geschrieben, das so gut ist wie fünf Bier mit dem besten Kumpel.«
KulturSPIEGEL

 

Fakten

Nickolas Butler
Shotgun Lovesongs
Roman

Verlag: Heyne
Originaltitel: Shotgun Lovesong
Originalverlag: Klett-Cotta
Aus dem Amerikanischen von Dorothee Merkel

Erstmals im Taschenbuch

Taschenbuch, Broschur
432 Seiten
ISBN: 978-3-453-43782-1
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90 * (* empf. VK-Preis)

erschienen am: 9. März 2015