Es gibt Dinge von Gaiman, die ich mag und andere, die mir gar nicht liegen. Death sagt mir nichts, ich gehe völlig unvoreingenommen heran. Und lese nicht den Klappentext, was die ganze Sache etwas verfremdet, weil mir eine wichtige Information verloren geht.

 

Erster Eindruck

Zuerst blättere ich ein wenig durch die Seiten, komme dann zur Einleitung, die mich sofort in ihren Bann zieht. Es ist ein schön geschriebener Text über Begegnungen mit Neil (mehr will ich nicht verraten). Darin sind starke sprachliche Bilder, die mich gefangen nehmen. So sehr, dass ich danach nicht in die eigentliche Geschichte hinein finde. Die wirkt jetzt nur wie eine schräge Mischung aus Bildern & Zeichnungen, Kunst. Irgendwie passen für mich die Einleitung und das Buch nicht zusammen, deswegen werde ich dem Buch eine zweite Chance geben müssen, wenn ich die Einleitung vergessen habe. Ich nehme also das Buch aus der Bibliothek mit und lasse es erst einmal eine Weile liegen.

Gelesen

Etwas lose aneinandergereihte Gedanken über Tod, das wäre wohl eine Beschreibung für Neil Gaimans „Death“. Es ist eine Graphic Novel, bei der ich mich beim Lesen die ganze Zeit frage, was es soll und doch weiterlese, in der Hoffnung es zu verstehen. Und dann am Ende des Buches ist da so etwas wie ein Gefühl für den Sinn der Episoden, die erzählt wurden. Und vor allem das Gefühl, dass es Kunst ist. Das hatte sich ja schon in der Einleitung angedeutet, die mich so tief in ihre Bilderwelt gezogen hat, dass ich erst mal nicht mehr in den eigentlichen Text gefunden habe. Aber es war sehr gut eine Weile zu warten, bis ich mich an die Geschichte gemacht habe – übrigens ohne zu wissen, dass es mehrere Geschichten sind – die Soloabenteuer der einer Nebenfigur des Sandmanns. Manchmal macht es doch Sinn, vorher den Klappentext zu lesen.

 

„Erstens mal bin ich nicht verliebt.

Ehrlich gesagt finde ich Liebe total schwachsinnig. Ich glaube nicht, dass irgendwer jemand anders liebt. Ich denke, Menschen sind höchstens geil. Geil und ängstlich. Wenn sie also jemand finden, der sie geil macht, und sie zu viel Angst haben vor der Welt draußen, dann bleiben sie zusammen und nennen es Liebe.

Zweitens. Ich hasse niemanden.

Ich meine, ich kenne einen Haufen Arschlöcher. Aber mehr sind sie auch nicht. Einfach Arschlöcher.“*

Sexton Furnival (16)

 

Es fängt mit einem Abschiedsbrief eines Sechzehnjährigen an, der auf einer Müllkippe herumklettert und von einem Kühlschrank begraben wird. Death holt ihn darunter hervor und die beiden ziehen los, eine Tour durch New York, bei der sie in einem Lagerhaus gefangen genommen werden und einer zweihundertfünfzigjährigen Pennerin ihr Herz wiederfinden sollen. Klingt ziemlich verrückt, aber ist ganz witzig, weil der Einstieg gut ist.

 

Der Tod antwortet auf die Frage, warum es Schmerzen gibt:“Ich denke, zum Teil geht es um Kontraste, um Licht und Schatten. Wenn man nie schlechte Phasen hat, wie will man die guten erkennen?

Und zum Teil ist es einfach so: Wenn man ein Mensch sein will, sind ein paar Dinge eben inbegriffen. Augen, ein Herz, Tage, Leben. Es sind Momente, die das deutlich machen. Man erkennt sie nicht, wenn man sie durchlebt …

Aber sie verleihen dem ganzen Rest Bedeutung.“*

 

Trotzdem gibt es manchmal in den Episoden Sprünge, denen man nicht ganz folgen kann (die auch nicht mit dem Sammelbandcharakter erklärbar sind) und es ist auch nicht die übliche Erzählstruktur, die dafür sorgt, dass du tief in die Geschichte hineinsinkst, mitfieberst und unbedingt bis zum Ende gehen willst. Es ist spannend, was sich da Künstler (Gaiman und die verschiedenen Illustratoren, die einzelne Abschnitte umgesetzt haben) für Gedanken um Tod machen. Und es ist auch spannend, wenn man kein Fan der wohl berühmtesten Gaiman-Serie, kein Fan des Sandmanns ist und ihn nur am Rande kennt.

Passt irgendwie zum Oktober, zum Herbst und dieser etwas düsteren Stimmung, die gerade durch die Luft wabert. Das ist aber, solltest Du kein Gothic oder Emo sein, kein Buch für einen Sommer. Und die Gedanken darin sind auch nicht wirklich neu. Wenn man Gaiman und den Sandmann verehrt, könnte ich mir vorstellen, dass man ehrfürchtig diesem Buch gegenüber steht und es eine großartige Sammlung ist. Aber ich bin leider kein Fan, auch wenn ich Gaiman mag und seine Leistung großartig finde, und gebe deshalb bei Goodreads 3 von 5 Sternen.

Im Nachgang ist mir dann übrigens Amanda Palmer (die, die die Einleitung geschrieben hat) öfter über den Weg gelaufen. Eine spannende Künstlerin.

 

Klappentext

Death wandelt auf Erden nicht, um ihren Job zu machen, sondern um zu sehen, wie das Leben als Sterbliche so ist. Dabei freundet sie sich mit einem Teenager an und hilft einer 250 Jahre alten Frau, ihr Herz zu finden.

Plus: Die Geschichte einer erfolgreichen Sängerin, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, um zu merken, dass die Liebe ihres Lebens in Deaths Reich gelockt wird.

Mit 3 Death-Kurzgeschichten als Bonus!

 

Fakten

Neil Gaiman: Death, Illustriert von Chris Bachalo, Mark Buckingham, Dave McKean, Einleitung von Amanda Palmer. Vertigo

ISBN 978-3-866 07-931-3

www.paninicomics.de

Vertigo

 

*Die Zitate sind ohne Seitenzahlen, da es in dem Buch keine Seitennummern gibt.