Herman Melville und Jack London, das waren die großen, als Kind erfurchteinflößenden Klassiker, die sorgsam gehüteten Buchschätze im Regal meines Vaters, die Heiligtümer, die schon meinem Opa gehört hatten. Doch die Sprache war nicht meins, die Geschichten schwer greifbar, als Film schon eher, aber nur fast.
Trotzdem ging von ihnen immer diese fast unheimliche Anziehungskraft aus. Für viele Generationen Mysterium und Sehnsucht. Beim Splitter Verlag gibt es sie als Graphic Novel: Lesbar, fesselnd, Faszination pur.

„Moby Dick“ kommt klassisch in drei Akten daher. Die Szenen ähneln denen, derer sich die Verfilmung von 1956 mit Gegory Peck bediente, mit dem Drehbuch von Ray Bradbury. Nur dass die Bilder wärmer sind und dadurch einen noch größeren Kontrast zu Ahab schaffen, den Leser hineinschmeicheln in seine irre Welt.

Ismael, der naive Jungspund, der den erzählerischen Rahmen für die Geschichte liefert, ist ideal, um die Bedeutung der Geschichte zu transportieren. Deshalb bleibt er blass und ambivalent. Doch mit dem großartigen Queequeg an seiner Seite wird das aufgefangen. Seine Figur ist schillernd, bunt. Bis zu dem Punkt, als der tätowierte Riese beschließt, sterben zu müssen und dann eben mal das Gegenteil beschließt. Da wird es etwas dünn. Aber nur für ein paar Bilder kurz vor dem Ende des zweiten Aktes. Dann ziehen uns die Szenen weiter bis zum bitteren Ende, das nur Ismael überlebt.

 

„Die großen Schleusen der Welt der Wunder öffnen sich vor mir, und in den närrischen Fantasien, die mich zu meinem Verlangen hinziehen, treten sie immer zu Zweien schwimmend ein in das Geheimnis meiner Seele, unendliche Prozessionen von Walen, und mitten drin, der große, weiße Geist als einer von ihnen, wie ein Schneehügel am Himmel.“ Hermann Melville

Intellektuell steigt dagegen der naive Jungspund in „Der Seewolf“ ein. Er ist auf dem Weg um im Sommerhaus eines Freundes Nietzsche und Schopenhauer zu lesen. Ein reicher Sohn, wie er im Buche steht und der sich durch ein unglaubliches Unglück nun plötzlich in einer ganz anderen Welt wiederfindet. Er steigt um Klassen ab und nichts, was er kann und war, zählt zwischen den grobschlächtigen Seemännern. Der verdammte Kaptän tut sein Übriges und quält ihn bis über sein Grab hinaus.

 

„Wie Bacon sage ich, dass die Welt der Sinne den Ursprung jedes menschlichen Verstehens darstellen.“ Jack London

Die Bilder hasten zwischen den Nuancen, zwischen Harmonie und Hölle hin und her. Düstere Farben zwischen Schwarz, dunkelgrün, schwarzblau und blutrünstigem düsterpink, die das Gefühl einer fortwährenden Nacht verbreiten. Kurz flammt ein wenig Wärme in Orange auf, als aus dem Jungspund ein Held wird und er sich traut, mit der Geliebten zu fliehen. Aber der Seewolf wäre nicht das Monster, das er ist, wenn er nicht noch einmal auftauchen würde, um alles bis zur schlimmsten Konsequenz zu zerstören.

 

Fakten:

‚Moby Dick – Graphic Novel frei nach dem Roman von Herman Melville‘
Autor: Olivier Jouvray
Zeichner: Pierre Alary
Übersetzer: Swantje Baumgart

Splitter Verlag
Hardcover
128 Seiten
19,80 € inkl. MwSt
ISBN 978-3-95839-043-0

‚Der Seewolf – Graphic Novel nach dem Roman von Jack London‘
Autor: Jack London, Riff Reb’s
Zeichner: Riff Reb’s
Übersetzer: Tanja Krämling

Splitter Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag
136 Seiten
24,80 € inkl. MwSt.
ISBN 978-3-86869-636-3