Anna Thur

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[Rezension] Howard // Dark Wonderland (1) – Herzkönigin

Von Anfang an zieht die Geschichte dich in ihren Bann. Die Geschichte beginnt mit einer sehr klaren Sprache, klaren Bildern, es ist schön zu lesen. Und ab dem zweiten Drittel macht die Autorin etwas, was ich „den Leser besoffen schreiben“ nenne. Die Erzählweise verändert sich, wird wesentlich blumiger, wir tauchen in das Wunderland ein. Morpheus umlullt unseren Verstand wie den von Alyssa. Es fühlt sich so richtig an, als würde man beim Lesen besoffen werden und in den Fängen dieses dubiosen Typen sich verwickeln. Dieses Gefühl kann sehr schön sein, muss es aber nicht und manchmal mag ich es auch gar nicht. Denn dann kann es vorkommen, dass ich wie im Traum durch die Seiten eile und vergesse, was ich gerade gelesen habe, oder es nicht genau greifen kann.

Gleichzeitig wird es ab der Mitte leider etwas langweilig. Das ewige Hin und Her zwischen Jeb und Alyssa ist etwas ermüdend, man wünscht sich hier endlich eine Lösung, die nicht im Entferntesten in Aussicht steht. Der Einstieg in das Buch lief über sehr viel Tempo, es gibt eine Aufgabe in sehr knapper Zeit zu erledigen und plötzlich scheint die Zeit verschwunden zu sein. Alyssa verliert sich gerade und so fühlt man sich auch als Leser. Ich verliere mich zwischen den Zeilen. Ich verliere die Geschichte zwischen den Zeilen.

Da wirkt das Buch undurchdringlich wie eine Dornenhecke nur das die Dornen manchmal spitz und verletzend sind, während manche klebrig sind und dich gefangen nehmen.

 

„Meine Fingernägel bohren sich in meine Handflächen. ‚Nur weil du das Schlimmste in mir zum Vorschein bringst.‘ ‚Oh, nein, Liebes. Ich bringe das Leben in dir zum Vorschein.‘ Sein tiefer Blick haut mich um. Das Schlaflied trällert in mir … Ich presse mir die Finger auf die Schläfen, um ihn aus meinem Kopf zu verbannen.“ (S. 314)


Die Schwäche, die ab der Mitte auftaucht, kann die Autorin leider nicht auffangen. Was am Anfang als Fünf-Sterne-Buch anfing, ist im zweiten Drittel nur noch ein Drei- bis Vier-Sterne-Buch. Vielleicht ist es dem Stoff geschuldet, dass sich hier so eine lethargische Wirrheit breit macht, die Szenen bunt schillernd aussehen lässt, die aber nur schwer zu verstehen sind. Auch die intriganten Züge von Morpheus bleiben schleierhaft, die Machtstrukturen im Wunderland undurchsichtig. Man hofft, dass sich der Schleier heben möge und man auch endlich versteht, was wirklich mit Alice im Wunderland geschehen ist.

 

„Manchmal muss eine Flamme einen Wald zu Asche verbrennen, bevor etwas Neues wachsen kann. Ich glaube, dass Wunderland eine Reinigung brauchte.“ (S. 431)

 

Das schafft die Autorin am Ende aufzuklären und auch, die Fäden wieder so zusammenzufügen, dass klar ist, was passiert ist und worin die Intrige bestand, obwohl ich das auch etwas einschränken muss. Hundertprozentig ist mir nicht alles klar geworden, aber es ist nicht so gravierend und so interessant, dass ich noch einmal nachlesen würde. Auf jeden Fall gibt es überraschende Wendungen und ein unerwartetes Ende, ich bleibe mit Lust auf den zweiten Band zurück und möchte mehr lesen, mehr von dieser Welt. Aber der Wehrmutstropfen ist, dass das Buch deutlich seine Schwächen hat. Dazu gehören übrigens auch Sätze, die Fragezeichen hinterlassen:

 

„Ich will genauso sehr wie du, dass dies vorüber ist“, sagt er mit einer herzlichen Aufrichtigkeit, die ganz Grönland zum Schmelzen bringen könnte. (S. 397)

 

Noch einen Gedanken zur Alterseinordnung des Buches. Offiziell ist es für Leserinnen und Leser ab 14 Jahren deklariert. Die Hauptfigur Alyssa ist 16 Jahre alt. Die erotischen Komponenten sind nicht sehr explizit und trotzdem sehr prickelnd, was bei mir die Frage aufwirft, ob es der Sexualität in dem Alter entspricht? Davon abgesehen ist das Ende der Dreiecksgeschichte sehr komplex und da auch wieder mit so viel Prickeln, dass ich mich schon frage, ob es zur Altersgruppe passt. Hier würde ich als Mutter, wenn es um mein Kind ginge, einmal mehr hinschauen, ob es zu meinem Kind passt.

 

Klapptentext (Quelle cbt Verlag):

Alyssa kann Blumen und Insekten flüstern hören, eine Gabe, die schon ihre Mutter um den Verstand brachte. Denn sie sind die Nachfahrinnen von Alice Liddell – besser bekannt als Alice im Wunderland. Als sich der Zustand ihrer Mutter verschlechtert, kann Alyssa ihr Erbe nicht mehr leugnen, sie muss jenen Fluch brechen, den Alice damals verschuldet hat. Durch einen Riss im Spiegel gelangt sie in das Reich, das so viel finsterer ist, als sie es aus den Büchern kennt, und zieht dabei ihren besten Freund und geheime Liebe Jeb mit sich. Auf der anderen Seite erwartet sie jedoch schon der zwielichtige und verführerische Morpheus, der sie auf ihrer Suche leitet. Aber wem kann sie wirklich trauen?

 

Der zweite Teil der Reihe „Dark Wonderland – Herzbube“ erscheint übrigens am 23. November 2015.

 

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Thema von Anders Norén.