Heute darf ich Buchbloggerin Alexandra interviewen. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, denn Alexandra fällt es schwer, in der Öffentlichkeit zu schreiben. Warum? Sie ist Legasthenikerin. Ein Fakt, mit dem sie sehr offen auf ihrem Blog umgeht. Ehrlich gesagt dachte ich am Anfang, dass es ein Wortspiel wäre so wie Buchjunkie oder Leseratte. Wahrscheinlich kam ich darauf, weil sie in einem sehr persönlichen Ton schreibt, mit einer ganz eigenen Stimme. Und weil ihre Posts rund ums Lesen, zum Beispiel über die Good-reads-App oder die Faszination Lesen, so spannend waren, habe ich die kleinen Auffälligkeiten ignoriert. Außerdem wohnt Alexandra in einer der vier Städte, die ich für die Schönsten der Welt halte: in Zürich.

 

Danke erstmal dafür das ich hier deine Fragen beantworten darf. Es freut mich natürlich zu hören das dir mein Blog gefällt, auch wen ich immer überrascht bin das es etwas besonderes sein soll. Aber wichtig ist mir schon das ich auch authentisch rüber komme. Und ja, Zürich ist wunderschön aber leider genau so teuer.

 

Legastheniker können mit verschiedenen Problemen kämpfen: Sie können manchmal schwer lesen, schlecht schreiben oder rechnen, oder alles zusammen. Wie ist es bei Dir gelagert und wie wurde es festgestellt?

Alexandra http://derbuecherwahnsinn.blogspot.ch/

Alexandra http://derbuecherwahnsinn.blogspot.ch/

Bei mir sieht es so aus, das alle 3 Sachen zusammen kommen. Festgestellt wurde es eigentlich erst richtig als ich erwachsen war, als wir zur Abklärung mit meinem Sohn waren. Da wars dann aber leider zu spät. Da war ich schon aus der Schule und es nutze mir leider nicht mehr viel. Früher in der Schule, was ja schon einige Jahre her ist, hiess es nur immer ich sei zu faul zum lernen oder ich sei zu dumm. In den 70er und 80er war das wohl bei uns an der Schule noch nicht so präsent bei den Lehrern. Das zeige sich auch immer wieder in den Zeugnissen wo man extra mit rot vermerkte; In Ortografie oft 1 oder 2 (in der Schweiz ist 1 die schlechteste Note, nicht wie in Deutschalnd) Dazu kommt eben auch das ich an Dyskalkulie leide. Das heisst das ich grosse Schwierigkeiten habe mit dem rechnen. Aber das beeinträchtigt mich jetzt beim lesen oder eben bloggen nicht. Zum Glück 😉

 

Ich versteh Legasthenie nicht ganz. Mal als Beispiel: Ich mache mir ständig unheimlich viele Gedanken darüber, dass ich Rechtschreibfehler in einen Text hauen könnte. Würden Dir diese Fehler auffallen, wenn Du sie bei mir liest?

Jein *lach* Es ist so, auch bei mir selber, also wenn ich schreibe, fallen mir gewisse Fehler auf, dann korrigiere ich sie, und manchmal erkenne ich die Fehler trotz Rechtschreibkorrektur nicht. Auch in Büchern sehe ich manche und andere wieder nicht. Es ist aber auch so, das ich über richtig geschriebene Wörter stolpere weil ich sie auf den ersten Blick nicht erkennen. Also von mir aus kannst du Fehler machen oder nicht, ich lese den Text genau so flüssig oder nicht wie immer. Es ist wirklich auch sehr Tagesform abhängig. Ach ja, und solltest du immer den selben Fehler machen, wird er mir mal auffallen mal nicht. Denn das ist bei der Legasthenie auch so, man macht nicht immer die selben Fehler. Mal schreibt man mal ein Wort richtig dann wieder nicht.

 

Du schreibst in Deinem Blog, dass Du durch Deine Mutter zum geschriebenen Wort gekommen bist?

Lieblingsleseplatz von Alexandra

Lieblingsleseplatz von Alexandra

Ja, und zwar einfach weil sie selber viel gelesen hat, aber mir nie druck gemacht hat selber zu lesen. Sie wusste wie schwer es mir fällt und da ich in der Schule unter sehr grossem Druck stand, wollte sie nicht auch noch welchen ausüben. Sie hat mir nie gesagt was ich lesen soll oder was nicht. Sie las gerne Krimis von Agatha Christi, sie hatte alle in einem Sonderband. Sie las aber auch gerne die Grusel-Heft-Romane von John Sinclair. Als Kind war ich immer fasziniert von Büchern, ich hielt sie gerne in der Hand, blätterte sie durch, aber gelesen habe ich bis 12 nie zum Spass. Bis ich eines Tages fragte, ob ich mir so ein Romanheft ausleihen durfte. Jetzt werden manche Eltern sicher sagen: „Sowas lässt man doch ne 12 jährige nicht lesen!“ Und ich sage… warum denn nicht? In dem Moment war es eben genau das was mich interessierte. Und die Hefte hatten so um die 60 oder 80 Seiten und machten mir nicht ganz so viel Angst wie die dicken Bücher. Und von da an hab ich gelesen, erst wirklich nur diese Hefte, welche ich geliebt habe. Dann mit 15 hab ich angefangen richtige Bücher zu lesen… und seid da hat es mich dann gepackt.

 

Bloggen ist ja doch eine recht zeitintensive Angelegenheit und ein aufwendiges Hobby. Warum hast Du Dir ausgerechnet das gesucht und womit hast Du dabei zu kämpfen?

Stimmt, das ist es wirklich. Aber es macht mir Spass. Als ich damals 2003 mit bloggen angefangen habe, wars ein rein privates Blog. Unter einen Psoidonym. Ich wollte einfach mit anderen Menschen in Konntakt kommen und mich austauschen. Irgendwann waren die Kinder dann ausser Haus den tag über und ich hatte endlich wieder mehr Zeit für mich und das lesen und so kamen dann auch Buchvorstellungen dazu. Nicht wie die, die ich heute schreibe, aber dennoch. Nach einer Weile nahm dann das Buchthema überhand und ich war mit meinem Bloganbieter nicht mehr zufrieden und so suchte ich mir einen neuen und gründete dann den Bücherwahnsinn 2009. Huch ich schweife ab… Warum grade bloggen? Hm… ich schreibe sehr gerne, ich tausche mich auch gerne aus. Also lag das nahe. Es mag komisch klingen das ich gerne schreibe, aber so wars schon immer. Trotz meiner Legasthenie hab ich auch in der Schule schon gerne Aufsätze geschrieben. Die waren immer sehr gut benotet nur eben die Ortographie lies zu wünschen übrig.

Alexandras Arbeitsplatz

Alexandras Arbeitsplatz

Womit ich beim schreiben probleme habe? Oder meinst du jetzt beim bloggen? Also beim scheiben liegt es auf der Hand, das ich mit der Rechtschreibung mühe habe. Nicht mehr so oft wie noch als Kind, denn durch das viele lesen hat sich da viel verändert. Und beim Bloggen ist es so, das ich zu Anfange sehr viele böse Mails bekommen habe, von Lesern meines Blogs, oder blöde Bemerkungen von Autoren oder sonstigen „Profis“. Wie zum Beispiel, ich solle doch erst richtig deutsch lernen bevor ich es wage ein Blog zu führen. Oder das sie es für eine Schande halten das ich mich traue überhaupt über Bücher zu schreiben aber nicht mal der deutschen Rechtschreibung mächtig sei und so weiter. Das sind so noch die heiligen Bemerkungen. Ich bin inzwischen  44 und man sollte denken das ich da drüber stehen sollte, tu ich aber nicht immer. Solche Bemerkungen verletzen mich immer wieder. Darum hab ich dann vor ein par Jahren geoutet. hab dazu einen Artikel geschrieben und auch erklärt was Legasthenie bedeutet. Seit da ist es praktisch still. Und wenn dennoch jemand einen dummen Latz hat, dann schreib ich eben nur „Wer lesen kann ist im Vorteil“ oder wenn einem die Person hinter dem Blog so wichtig ist, sollte man sich mal die Seite „Über mich“ zu herzen nehmen. Aber mehrheitlich sind die Reaktionen jetzt dann eher pos. als neg.

 

Wie funktioniert das mit Dir und dem Lesen, denn als Buchblogger hat man ja schon immer mal das Gefühl, dass man doch ein gewisses Lesepensum schaffen „MUSS“. Du hast mir zum Beispiel erzählt, dass Du langsamer lesen kannst, wenn Du Stress hast. Was bedeutet das für Deinen Lesealltag?

Oh ja, das hab ich immer noch: Also das Gefühl das ich eine bestimmte Menge schaffen „muss“! Vor allem wenn ich mir so die Statistiken anderer Blogger ansehe, die 10 / 20 oder mehr Bücher im Monat runter schletzen. Nun, ich will ja gar nicht auf diese Menge kommen, denn irgendwie find ich das auch schade wenn man so einen Buch verschleiss hat. Da hätte ich wiederum das Gefühl dem Autor und dem Buch nicht gerecht zu werden. Aber manchmal würde ich schon gerne mehr schaffen, nicht umbedingt wegen mir, sondern wegen meinen Lesern. Ich hab immer Angst das sie mein Blog dann doch langweilig finden weil ich nur 2 bis max. 5 Bücher im Monat schaffe. Ich weiss im Kopf das dies doof ist… aber wie es halt mit Gefühlen so ist, die scheren sich nicht was der Intellekt dazu meint *lach*

"Bücher die ich liebe"

„Bücher die ich liebe“

Ich lese nicht nur langsamer wenn ich Stress habe. Ich lese grundsätzlich langsamer, einfach weil ich das Wort Buchstabe für Buchstabe lesen muss. Also im Grunde wie jemand der anfängt mit dem lesen. Ich kann das nicht wie gute vielleser Worte lesen oder Texte überfliegen. Kurze Worte wie: „Ich, Du, Sie, Ihr, dort, hier“ und so weiter geht gut, je länger ein Wort wird je schwieriger und genauer muss ich lesen und wenn ein Wort zusammengesetzt ist wie Gartenlaube, Schwimmbeckenrand oder Leuchtstoffröhre muss ich meist sogar 2 oder 3 mal ansetzen bis ich es flüssig lesen kann. Was das ganze noch zusätzlich erschwert sind kleine und engstehende Schriften. All das braucht Konzentration und so schaffe ich in einer halben Stunde manchmal nicht mal 30 Seiten. Und weil das alles sehr anstrengend ist muss ich alle 1 bis 2 Stunden eine Pause einlegen, nur kurz, manchmal reichen ein par Minuten, aber da kann sich nun jeder vorstellen wie lange ich an einem Buch habe. Sei es noch so packend, ich werde es nie und nimmer schaffen das Buch an einem Tag zu lesen.

Wenn ich wirklich dazu noch gestresst bin, tja dann geht praktisch gar nichts mehr. Dann sieht man das im Blog ganz genau. Denn Legasthenie ist sehr Tagesform abhängig, bei mir auf alle Fälle. Es gibt Tage da gibt es keinen einzigen Fehler (aber auch nur dank Rechtschreibkorrektur) und dann wieder Beiträge die fast explodieren vor Fehler, die ich aber wirklich nicht sehe. Manchalm, bei einem späteren duchr schauen, wenn ich was suche, seh ich dann ein paar und schäm mich dann doch etwas und korrigiere nach. Lesen kann ich an solchen Tagen praktisch vergessen. Was natürlich auch noch Gift ist, ist Müdigkeit. Also je gestresster und müder ich bin, je mehr Fehler kommen zusammen und je weniger fallen mir auf.

 

Ich persönlich muss mir zwischendurch immer extra Notizen für eine Rezension machen, wenn ich ein Buch lese, sonst würde ich keinen Blogpost zustande bringen. Deshalb bin etwas überrascht, dass Du das nicht machst. Gleichzeitig kannst Du Dir supergut Details aus Büchern merken. Kannst Du das erklären?

Nein, um Rezensionen zu schreiben brauche ich kein Notizbuch oder der Gleichen. Denn, durch das genau lesen bleibt mir sehr viel im Kopf hängen. Vielleicht aber auch weil ich ein sehr visueller Mensch bin, und alles was ich lese gleich bildlich in meinem Kopf entsteht. Ich kann dir auch bei Büchern die ich vor über 10 Jahren und mehr gelesen haben, noch ne kurze Zusammenfassung geben *gg* Und da ich grundsätzlich eine Rezension immer gleich nach dem auslesen eines Buches schreibe, oder maximum einen Tag später, brauch ich das wirklich nicht. Ich staune immer wieder wie andere Rezis schreiben können wo die Tage oder gar Wochen dazwischen liegen.

 

Trotzdem ist jetzt auch ein Notizbuch Dein ständiger Begleiter?

Ja, ich habe seit 2 Wochen ein Notizbuch. Eine alte Agenda *gg* Die brauche ich aber eher für das Brainstorming. Da schreibe ich Ideen rein die ich habe fürs Blog oder meine Homepage die ich mal noch machen will. Ideen zu Themen, Artikel, Aktionen und so weiter oder auch für die Lesestatistik und so weiter. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer Notizzettel, die gehen aber schon mal irgendwie unter, verloren oder ich werfe ausversehen den falschen Fötzel weg. So kann mir das nun nicht mehr passieren 😉

 

 

Zum Schluss noch ein paar Fragen rund um Deinen Blog: Postest Du über bestimmt Genres oder querbeet? Arbeitest Du mit einem Redaktionsplan und gibt es regelmäßige Rubriken?

Ne, ich rezensiere eigentlich querbeet. Aber es gibt gewisse Genres die du gar nicht oder äusserst spärlich auf meinem Blog findest. Wie Chick-Lit. Irgendwie ist mir das zu oberflächlich. Sic-Fi, ich habs versucht aber es ist nicht meins, das ist ein Genre das schau ich lieber als Film. Horror, das schau ich nicht und hab bis jetzt auch keinen gelesen. Und Klassiker, vor denen hab ich Respekt. *hüstel*

Witzig das du das fragst, denn mein mann hat mich grade gestern gefragt ob ich eigentlich ein Konsept habe. Nein, hab ich nicht. Weder ein Redaktionsplan noch eine regelmässige Rubrik. Klar gibt es Themen die immer wieder auftauchen wie Apps Vorstellungen,  oder die Sonntags Diskussion und der Gleichen aber die mach ich wann ich grade Lust drauf hab oder ich was ganz besonderes gefunden habe. Auch die, die Regelmässig sein sollten wie „Freitags-Füller“, „SuB am Samstag“ oder „Gemeinsam lesen“… die kommen auch nur regelmässig wenn ich nicht arbeite, sonst lasse ich die aus. Ich will mir einfach kein Stress mehr machen, früher war das anders. Da hab ich dann auch schon mal Beiträge vorgeschrieben und dann datiert zum veröffentlichen. Oder hab mich spät Abends oder früh Morgens noch hingesetzt und noch vor meiner Abwesenheit online gestellt. Ich hab mit den Statistiken aufgehört, und bei den meisten Challenges mach ich gar nicht mehr mit. Vor einiger zeit war ich nur noch frustriert und hatte so gar kein Bock mehr zu schreiben. Das war das Zeichen für mich das ich das alles wieder viel lockerer nehmen sollte. Es ist nicht mein Beruf sondern mein Hobby, eins meiner Hobbys. Und alle brauchen einfach ihre Zeit. Und ein privatleben hab ich schliesslich auch noch, das sich manchmal nicht schert was ich geplant habe.

Die Angst Leser zu verlieren war früher sehr gross, ich wollte niemanden enttäuschen! Doch hallo!! Alexandra!! Bist du noch bei trost?! Ne, manchmal wirklich nicht *lach* Bloggen ist Spass haben an der Sache, ich verdiene nichts damit, schalte keine Werbungen und mach auch kein Geld damit. Der Lohn ist die Freude am Austausch, an manchen von Verlagen bereitgestellten Reziexemplare und das manch ein Beitrag gut ankommt bei meinen Lesern. Und… das ich jemand wie du doch tatsächlich fragt ob ich Interesse an einem Interwiev habe 😀 und sich mit meiner Thematik ernstgemeint auseinandersetzt!

 

 

*Legasthenie:

Rechnen, Schreiben und/oder Lesen fällt schwer. Das kann unterschiedliche Ursachen haben und wird nicht immer entdeckt. Dramatisch, denn viele der Schwierigkeiten können beseitigt werden, wenn es schon früh auffällt. Kinder können lernen, damit umzugehen und bekommen Hilfsmittel in die Hand, um besser lesen zu können. Aber auch Erwachsenen kann noch geholfen werden. Häufig verheimlichen sie aber ihre Schwierigkeiten, weil sie immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen haben.