Anna Thur

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Kreativität auf Knopfdruck? Das braucht Zeit.

Madita Kohrt ist eine Bloggerin, die über Schreiben, Schreibtipps und Social Media für Autoren auf dem FederKiel Blog postet. Kennengelernt haben wir uns über Twitter und weil ich ihre Arbeit sehr mag, freue ich mich sehr, dass sie Zeit gefunden hat, für ein Interview zu meinem Werkstatt-Thema* Rede und Antwort zu stehen.

 

 

Was musst Du alles unter einen Hut bringen und was sind wichtige Punkte im Tagesprogramm, die Dein Schreiben beeinflussen?

Mein Tag ist eigentlich immer vollgepackt. Hausarbeit und Einkauf wollen regelmäßig erledigt werden, mein Mann und mein 2-jähriger Sohn brauchen Aufmerksamkeit, meine Social Media Kanäle müssen täglich gepflegt werden, mein Blog braucht jede Woche neue Beiträge, ich arbeite an mehreren Romanen und einem Kinderbuch, täglich lese ich diverse Webseiten und natürlich auch Bücher, und seit Kurzem schwinge ich wieder den Bleistift zum Illustrieren.

 

Ganz grundsätzlich: planst Du Deinen Tag, Deine Woche oder einen Zeitraum oder lässt Du alles auf Dich zukommen?

Fest auf die Minute planen kann ich eigentlich kaum, mein Sohn geht nicht in die KiTa und tobt immer um mich herum.

Wenn ich feste Termine habe, bin ich im Stress, denn mein Kleiner versteht es hervorragend, mir da einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Ich plane alles grob und flexibel für etwa 4 Tage im Voraus. Dabei heißt es dann nicht „Schreiben um 8 Uhr“, sondern „Schreiben nach dem Frühstück“. Das ist zwar weniger genau, aber dafür auch weniger anfällig für Stress.

Natürlich ist Routine sehr wichtig, sonst würde ich gar nichts schaffen. Mein Tag ist allein schon dadurch unterteilt, dass morgens das Frühstück mit meinem Sohn ansteht und etwas Lesen oder Spielen, mittags das Mittagessen und der Mittagsschlaf nicht vergessen werden dürfen und abends natürlich das Abendbrot und das Zubettgeh-Ritual warten.

Meinen Tag plane ich in 4 Etappen. Vormittagszeit, Mittagsschlafzeit, Nachmittagszeit und Abendstunden. Alles, was zu tun ist, packe ich im Tagesplan in einen dieser Zeitabschnitte.

Schreiben und Zeichnen plane ich hauptsächlich zu den Zeiten ein, in denen mein Sohn schläft.

 

Wenn Du planst, was nutzt Du dabei? Hast Du To-Do-Listen, gelbe Klebezettel oder irgendwelche Hilfsmittel?

Wirklich dringende und wichtige Erledigungen schreibe ich natürlich auf eine Liste, um sie nicht zu vergessen und immer vor Augen zu haben. Eine richtige To-Do-Liste ist das allerdings nicht. To-Do-Listen funktionieren für mich nämlich nicht.

Wenn ich alles auf die To-Do-Liste packen würde, wäre sie erschlagend lang. Ich müsste sie in Themenbereiche unterteilen, hätte dann mehrere Listen. Diese Vorstellung finde ich schrecklich. Selbst wenn ich dann Prioritäten verteilen würde, wüsste ich gar nicht, wo ich zuerst anfangen soll.

Ich habe also eine kleine Liste mit den extrem wichtigen Erledigungen drauf, mit Fälligkeitsdatum dahinter. Die liegt immer neben dem PC.

Dann habe ich noch einen kleinen, länglichen Tischkalender, der pro Seite eine Woche und pro Tag ein paar Zeilen hat. Damit plane ich am liebsten. Die wichtigsten Punkte, die ich nicht aufschieben kann, kommen zuerst in die Zeilen eines Tages.

Danach dann für mich persönlich sehr wichtige Punkte, wie etwa das Schreiben.

Erst dann wird der Rest eingetragen. Und das nur, wenn Platz ist. Wenn der Platz für den Tag aufgebraucht ist, dann müssen diese Dinge warten und in eine freie Zeile an einem der späteren Tage einziehen. So kann ich sicherstellen, dass ich meine Tage nicht überlade, aber alles wirklich Wichtige trotzdem erledige.

 

Was sind Dinge, die Deine Zeitpläne durchkreuzen und wie gehst Du mit ihnen um?

Mein größter Zeitfresser und Plänedurchkreuzer ist natürlich mein Kind. Jeden Tag gibt es da mindestens eine Sache, die ich mir anders vorgestellt habe und dann umdenken muss, weil der Wirbelwind dazwischenkam. Oder die Arbeit meines Mannes. Er ist Lehrer und der Arbeitsaufwand der Dinge, die er Zuhause vorbereiten oder nachbereiten muss ist jeden Tag unterschiedlich.

Ich passe mich und meine Pläne einfach schnellstmöglich an. Es hilft ja nicht, sich zu ärgern, in den Stress hineinzusteigern oder frustriert aufzugeben und alles hinzuschmeißen. Das macht nur schlechte Laune und ändert den Ist-Zustand nun mal nicht.

Ich stelle mir dann die Frage, was wirklich wichtig ist und wo ich diese Punkte im jetzt anderen Tagesplan doch noch unterbringen kann. Es gibt immer einen Weg.

 

Schreiben braucht Kreativität: Ist die bei Dir planbar oder musst Du Freiräume schaffen, damit Du kreativ sein kannst?

Früher habe ich häufig nur dann geschrieben oder gezeichnet, wenn ich ganz meine Ruhe hatte und die Inspiration angeflogen kam. Das ist jetzt nicht mehr machbar. Ich muss nun jede Möglichkeit nutzen, um ein paar Worte auf Papier zu bringen, sonst würde ich gar nichts mehr schaffen.

Aber ich habe dadurch gemerkt: Kreativität auf Knopfdruck ist erlernbar! Es braucht nur Zeit und Gewöhnung und man muss es wirklich wollen.

Ich kann heute in fast jeder Situation schreiben. Ich kann beim Essen schreiben. Ich kann beim Kochen schreiben. Ich kann schreiben, wenn der Kinderkanal laut läuft und ich mit meinem Sohn auf dem Spielteppich sitze – Stift in der einen, Auto in der anderen Hand. Ich kann beim Spaziergang oder beim Spielen im Park schreiben. Ich kann liegend, im Dunkeln, auf dem Bett schreiben.

Das ist auch der Grund, wieso ich fast ausschließlich mit Stift und Papier schreibe. Sie sind klein, mobil und immer einsatzbereit. Alles, was ich brauche, damit mir die nächste Idee oder der nächste Satz einfällt, ist der Stift in der Hand, der Blick auf den Notizblock und der Wille, jetzt etwas zu schaffen.

 

Liest Du Bücher zu dem Thema und gibt es welche, die Du besonders empfehlen kannst?

Bücher, die mir im letzten halben Jahr bei Zeitplanung, Kreativität und meiner Sichtweise geholfen haben, waren:

„Zeit zum Schreiben“, Richard Norden

„How To Stop Time“, Derek Murphy

„Kreativität lernen – Mit sechs einfachen Kreativitätstechniken“, Madame Missou

 

 

*Mittwochs blogge ich über Werkstatt-Themen und bis Ende März gehört der Mittwoch dem Thema “Zeit“.

Illustration „Ein Buch entsteht“: Alle Rechte liegen bei Madita Kohrt http://feder-kiel.blogspot.de/.

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Thema von Anders Norén.