Anna Thur

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Grau lästern: Oder warum Fünfzig Schatten nerven [Ü18]

Er ist schon wieder überall, Mr. Grey und er geht mir verdammt auf den Zeiger. Beim ersten Buch dachte ich noch, lustig, dass erotische Literatur endlich salonfähig wird. Lustig, dass mir Freundinnen davon erzählen, die sonst eher schüchtern mit dem Thema umgehen.

ABER …

Es gibt so unglaublich viele Titel in diesem Genre und die Geschichten um Herrn Grey sind kein Befreiungsschlag, sondern aus meiner Sicht ein Marketingmeisterstück. Es mag gefallen, für manche mag es anregend sein. Aber es gibt etwas an diesem Buch, was wirklich stört. So richtig kann ich es nicht auf den Punkt bringen, weil ich viel zu wenig von der Sache verstehe, zu wenig über BDSM weiß. Also frage ich, wie ich es als Journalistin gelernt habe, jemanden, der das besser beurteilen und beschreiben kann.

Nina J. kennt sich auf beiden Seiten das BDSM sehr gut aus, sie ist dominant und manchmal auch nicht. Auf meine Frage, ob sie „Fifty Shades of Grey“ kennt, antwortet sie sofort „Leider“. Denn für sie ist das Buch voll mit Klischees und sogar mit einer Anleitung zur Vergewaltigung, die sich Frau dann schönredet. „Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin zwar SM Szenen kennt“, diesen Szenen aber die Liebe fehlt, antwortet Nina. „Es ist das literarische Kinderplanschbecken.“ Und das Schlimmste an diesen Klischee-Bildern ist, dass die Frau die Lust an eine einzelne Person abgibt. Das ist so weltfremd. Und eiskalt.

Wer sich wahrhaftig für erotische Literatur oder gar BDSM interessiert: Bitte meidet das unterkühlte Kinderplanschbecken und geht zu den Schwimmern. Schaut auf die mit Liebe geschriebenen Bücher, auf die Klassiker, stochert tiefer in dem, was der Markt zu bieten hat. Die wahren Perlen liegen wie schon immer im Verborgenen. Und wenn wir Nina glauben wollen: Lest Bukowski, „Du wirst es nicht glauben, selbst der ist bessere SM Literatur“ … als … „Fifty Shades of Schmarn“.

In diesem Sinne: Meine Antwort auf Buchfresserchens Montagsfrage, welches aktuell gehypte Buch wir ignorieren, lautet „Fifty Shades“- und „Grey“-Bücher.

Wie ist das mit Euch: Welches aktuelle Hype-Buch meidet Ihr?

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Thema von Anders Norén.